Wir sehen uns vor Gericht!

Foto0995-2Jo, das tät ich mir glatt wünschen, aber ich werde es nicht anleiern.

Es ist also so weit – die frei erfundenen Nachbarn haben eine saftige Abmahnung erhalten und daraufhin ihre Kündigung geschickt. Schön, damit löst sich bald alles in Wohlgefallen auf und ich muss keine Geschichten mehr erfinden.

Eine sprießt aber noch in meiner grenzenlosen Fantasie. Die schoss mir gestern Abend da rein. Zunächst hatte ich den Rasen gemäht. Mein nicht frei erfundener Vermieter hatte extra einen Mäher (keinen Schafbock 😉 ) geliehen. Nach dem Rasen den Rest von den wuchernden Ecken auf dem Grundstück. Danach hab ich die Hortensien der Vermietersfrau gegossen, bei mir bisschen Unkraut gerupft, ne Erdbeere vom Strauch genascht und Kräuter für den Salat geerntet. Während ich die noch am Schnippeln war, kamen die Nachbarn nach Hause:

„Oh, der Rasen ist gemäht!“
„Die soll mal ihr Drecksloch sauber machen!“

So – das hab ich gehört. Hatte ja auch schon gehört, als sie nach Hause kamen und es hieß:

„Die gehört an die Wand genagelt bis das Blut fließt“

Warum? Weil ich blond mir die Hand beim Abgießen ausm Topp mit kochendem Wasser verbrüht hatte und AUTSCH meiner Kehle entfleuchte. Daraus schlossen die frei Erfundenen:

„Die hat grad Drecksau gesagt!“

Naja, selbst wenn jemand in seiner Wohnung Drecksau sagen würde, tät ich mich noch lang nicht angesprochen fühlen, wenn ich vorbei laufe. Selbst wenn hätt ich ja jemand am Telefon oder meinen Besuch oder meinen Hund so betitelt haben können, oder?

Aber – nee, mein AUTSCH wurde zur Drecksau und ich verbal an die Wand genagelt bis das Blut fließt. Da stand ich mit der Drecksau Hand unter fließendem kalten Wasser und hab nur geschluckt.

Gestern hab ich das Messer und die Kräuter dagegen fallen lassen und bin raus – das hab ich gehört. Es folgten weitere Beschimpfungen des erfundenen Herrn Nachbarn nebst geballter Faust und in voller Größe vor mir aufbauen. Wow, ruhige Stimme bewahrt, weiß gar nicht wie, ihn gebeten, mich weder zu beschimpfen noch zu beleidigen noch körperlich zu bedrohen oder sonstwas in der Art. Knallt mir die Eingangstür vor der Nase zu. Ich mach sie wieder auf und sage, immer noch ruhig (wie hab ich das geschafft?), dass ich da auch wohne und er mir weder den Zutritt verwehren kann noch ein Recht hat, mich anzugehen. Sein Frauchen zieht ihn an dem Arm mit der geballten Faust zurück und keift:

„Wir sehen uns vor Gericht!“

Ja, schön, dann tun wir das eben. *Denk: Nöö, tun wir nicht, wieso auch?*

Seiner geballten Faust am Arm in ihren Fängen entfleucht der Stinkefinger. Ich sag: Auch das hab ich gesehen. Sie: „Wir sehen uns vor Gericht!“

Ächz.

In meiner Euphorie Fassungslosigkeit hab ich mir ein Holzbrett und Acrylfarbe geschnappt. Drauf zeigt sich jetzt ein mit Runen verzierter Spiderman über dem Schriftzug: Willkommen im Drecksloch. Thurisaz und Wunjo zeigen zu meiner Wohnung – nicht, dass es wieder heißt, ich hätte gevoodoot. Ach ja, und obendrüber prangt ein Kaffeefilter mit der Aufschrift „Kotztüte“, geziert von einem Smilie. Foto muss ich noch hochladen – ab Freitag hab ich – endlich – voraussichtlich DSL und kann nach Lust und Laune statt nach verwehten USB-Mobilfunkwellen und so 😉

Ja, da hab ich endlich eine tolle Wohnung mit Terrasse und darf ein kleines Stück Erde bewirtschaften, auf dem meine Hortensie, Dahlien, Tomaten, Paprika, Pepperoni und ein kleiner Apfelbaum wachsen, darf mich um den Rest des Grundstücks kümmern (toller Ausgleich neben dem Racker zur Computersitzerei), nebenan wuchert dagegen das Unkraut inzwischen meterhoch zwischen den Steinfließen auf der Terrasse – Verwahrlosung war einer von vier (!) Abmahnungsgründen, ich mäh (nee, ich nix Schaf) den Rasen etc., und krieg das Drecksloch nebst Faust und Stinkefinger um die Ohren gehauen, während auf meiner Terrasse fröhlich eine weitere Hortensie, zig Kräuter, die Feige, ne Erdbeere, eine aus dem Müll gerettete Palme, Geldbäume, Buchs und Co gedeihen.

Erst kürzlich hat die Vermieterfrau mit einem ehemaligen Nachbarn meiner frei erfundenen Nachbarn in Mitteldeutschland telefoniert. Der meinte, Beleidigungen, Beschimpfungen und Bedrohungen seien bei denen an der Tagesordnung, da hilft nur anzeigen. Jo, zeigste die an, dreht sich das erstens erst richtig hoch und zweitens läuft es ohnehin drauf raus, dass Herr Staatsanwalt auf Zivilrecht plädiert und du darfst dein Geld zum Anwalt schleppen, um sich dann ggf. vor Gericht zu sehen.

Nee, echt, ich hab kein Bock mehr, solche Geschichten zu erfinden! Ok, noch drei Monate, zu Ende Oktober haben sie gekündigt. Das bedeutet für merk-würdige Geister wohl Narrenfreiheit und jetzt erst Recht. Macht nix, ich hab noch mehr Holzbretter und Acrylfarbe, Reet auch noch, muss ich halt weiter an meiner Villa Kunterbunt basteln, statt komische Nachbarsgeschichten zu erdreckendenken. Bin ja kreativ, auch ohne Gericht. Gerichte koche ich gerne, mit frischen Kräutern und mitohne Drecksauhand, jawoll!

Foto1017_v1Was ich nicht verstehe: Wie kann man sich das Paradies in nicht mal fünf Monaten zur eigenen Hölle machen und andere gleich versuchen mit in den urigen eigenen Abgrund zu ziehen? Da bleib ich Drecksau lieber blutend  an die Wand genagelt in meinem blühenden Drecksloch sitzen und mal bunte Schilderbilder oder bastel Vogelwächter, die wühlende Hunde abhalten.

Eine Antwort zu “Wir sehen uns vor Gericht!

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