Die treue Amselmama und das erfundene Drama in x Akten

Foto0791_v1.jpgDas ist sie, die Amselmama (braunes Gefieder auf braunem Grund mit schlechter Handycam aufgenommen 😉 ), deren Nest zerstört wurde. Auf Futtersuche schaut sie aber immer noch vorbei, am liebsten, wenn ich in der Erde wühle. Aus anfangs über einem Meter Sicherheitsabstand wurden 70 Zentimeter, 50 Zentimeter, 30 Zentimeter, … Als ich das Grundstück zwischen den Terrassen mit Spaten, Harke, Wurzelkralle, Schubkarre und Buddelhunden von grünem Kraut und Steinen befreit habe, damit Rasen hin kann, hoppste sie seelenruhig direkt zwischen dem Racker und mir durch und sammelte Regenwürmer für ihren Nachwuchs aus dem umgebuddelten Erdreich.

Mich berührt das – anscheinend weiß sie ganz genau, dass ich nicht an ihrem Nest war, sie hat keinerlei Scheu vor dem Racker und mir, schielt nur ab und zu mit ihren hübschen Augen in meine hexengrünen, ob wir nicht plötzlich anfangen zu spielen und sie erschrecken. So besucht sie uns Tag für Tag von ihrem neuen Nest aus und hält keine zehn Zentimeter Abstand mehr …
Würde gerne wissen, ob sie zusammen mit dem scheueren Papa ihren Nachwuchs aus dem hiesigen Nest retten konnte. Mir hat jemand erzählt, dass sie möglicherweise die noch recht frisch geschlüpften Jungen weggetragen haben, statt sie sterben zu lassen oder bevor sie gemeinsam mit dem Nest per Besenstiel gestorben werden.
Gestern dann hat sich die frei erfundene Geschichte um einen Akt bereichert: Ich hab glückliche Eier gekocht und mir beim Abgießen vom Wasser die Hand verbrüht, ich dappiger Vollpfosten. Meiner Kehle entfleuchte ein lautes AUTSCH! Von draußen folgte noch lauteres Geschrei.

Wir befinden uns in Akt X: Ich, die eine bessere Hälfte, kam mit meiner anderen besseren Hälfte vom Einkaufen zurück. Während ich noch mühsam das Auto ausräumte und Stück für Stück ins Haus trug, hörte ich einen Schrei. Da hat mir aber die Galle hochgekocht und ich rief der anderen besseren Hälfte drin zu: „Die hat grad Drecksau gesagt! Hat die grad Drecksau gerufen? Die Nachbarin hat Drecksau geschrien!“
Sie: „Die soll lieber ihren Dreckstall mal aufräumen!“
Er: „Die gehört an die Wand genagelt bis das Blut fließt!“
Die eine bessere Hälfte holte dann die letzten Flaschen aus dem Auto und rotzte in Richtung Dahlien, Tomatenpflanzen und Apfelbaum, was die andere bessere Hälfte dem huhn-ungleichen Gegacker nach zu urteilen köstlich amüsierte. Es gackerte noch lauter, als der Schuh der einen besseren Hälfte gegen einen Holzklotz trat, der zum Schutz der Hortensie, dem geäachteten lebendigen Erbstück des verstorbenen spanischen Onkels der Nachbarin, vor eben dieser aufgestellt war, damit sie nicht ständig von Hunden gegossen oder als Welpenspielplatz benutzt wird.
Sicher habe ich mir das nur eingebildet, während kaltes Wasser über meine Drecksau autsche verbrühte Hand floss, um den autschigen Schaden in Grenzen zu halten. Ja, das Leben ist spannend, nicht nur für treue Amselmamas.

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