Auf gute Nachbarschaft

Selbstverständlich frei erfunden?

Wir ziehen ein, verwirklichen uns damit einen Traum – endlich eine Wohnung auf der schönsten Nordlandinsel, über 1000 Kilometer entfernt von unserem vorherigen Wohnort in Mitteldeutschland. Wir freuen uns, die Nachbarn kennenzulernen, alle total nett. Die Wohnung ist groß, über 100 Quadratmeter, dazu gibt es eine schöne große Terrasse. Die Nachbarin hat nur eine kleine Wohnung und eine kleine Terrasse, aber ihr reicht das, sagt sie. Einen Hund hat sie auch, so einen niedlichen großen schwarzen, der bei Fremden etwas schüchtern ist. Gut so, bedrängt er uns wenigstens nicht und ein Beller ist er auch nicht. Wurst dürfen wir ihm nicht geben. Ob die Nachbarin uns nicht mag?
Erster Tag: Wir belegen das gesamte Grundstück mit unserem Umzugsgut. So groß ist unsere Wohnung schließlich nicht, dass da alles sofort reinpasst beziehungsweise wollen wir es von Anfang an ordentlich drinnen haben.
Zweiter Tag: Wir, das heißt der von uns beauftragte Handwerker, schrottet den Terrassentisch unserer Nachbarin. Er hatte keinen Sägebock dabei, da bot sich der Tisch an. Gefragt haben wir sie nicht, er auch nicht, er stand da schließlich einfach so rum auf ihrer Terrasse. Es ist uns unbegreiflich, warum sie sich wegen eines kaputten Terrassentisches aufgeregt hat, auch, warum sie sich aufgeregt hat, weil wir nicht gefragt haben, ob er zu uns geräumt und als Sägeboch benutzt werden darf.
Dritter Tag: Es fällt allerlei Verpackungsmaterial an beim Einräumen des Umzugsguts und Auspacken der Kisten. Das möchten wir natürlich nicht in der Wohnung haben, deshalb haben wir es ebenfalls auf dem gesamten Grundstück deponiert. Weil wir ja völlig ausgelastet waren und auch total fertig wegen dem Umzugsstress haben wir das drei Wochen stehen lassen. Stimmt nicht ganz, es wurde natürlich täglich mehr. Die Mülltonnen mussten unserem Müll weichen und in der Einfahrt stehen, stört die ja nicht. Was auf dem Grundstück keinen Platz mehr fand, haben wir im Schuppen des Vermieters deponiert.
Dritte Woche: So langsam nervt die neue Traumidylle. Die Nachbarin raucht, das zieht durch ihr kleines gekipptes Fenster etwa zehn Meter weiter und einmal um die Ecke direkt zu uns ins Schlafzimmer. So was geht gar nicht. Außerdem läuft sie immer in Schlabber-Freizeit-Klamotten rum und hat schlammige Schuhe, weil sie irgendwo mit ihrem Hund unterwegs ist. Wenn wir die sehen, müssen wir immer erst mal duschen.
Vierte Woche: Wir sind ja Rentner und froh, wenn wir was zu tun haben. Das hat natürlich nichts mit dem immer noch mit unseren Sachen vollgestellten Grundstück und Schuppen zu tun. Die könnten wir natürlich rein räumen, aber dann steht die Wohnung voll. Nein, mit zu tun meinen wir Arbeit. Deshalb hat die eine bessere Hälfte mit dem Vermieter angebandelt, um dort im Laden zu helfen. Komisch, nach wenigen Stunden in wenigen Tagen wollten die das plötzlich nicht mehr. Mögen die uns nicht? Die Glocken läuten, wir würden alles besser wissen wollen und alles an uns reißen wollen. So ein Blödsinn. Also hat sich die bessere Hälfte das Grundstück vorgenommen. Ihr müsst wissen, das ist noch nicht so lang in Vermieterbesitz und da muss noch Einiges gemacht werden.
Zwischen den Terrassen zum Beispiel, da lag noch viel Geröll in Form von Steinen rum. Das hat die bessere Hälfte alles weggeschippt. Eigentlich wollte der Vermieter das wegbaggern, Mutterboden draufpacken und dan Rasen säen. Das wollte die bessere Hälfte aber nicht. Mutterboden kam zwar gefühlt meterhoch drauf, aber Rasen wollten wir da nicht hin haben. Der Vermieter hat ihn einfach werkeln lassen und die Nachbarin hat nur komisch gegrinst.
Fünfte Woche: Aus dem Mutterboden sprießt allerlei Grün. Nun sieht das gar nicht mehr so schön aus. Da wächst Löwenzahn und anderes Unkraut, zwischendurch lassen sich auch Grashalme blicken. Nein, das gefällt uns nicht, dabei haben wir uns so viel Mühe gemacht und dafür nicht mal Geld bekommen. Die andere bessere Hälfte misst daraufhin die Wohnung aus und beschwert sich wutentbrannt beim Vermieter: Die Miete ist viel zu hoch! Die Nebenkosten auch! Außerdem kann man gar keinen Besuch empfangen, so wie das draußen aussieht! Und die Nachbarin raucht! Und überhaupt! Was sagt der Vermieter: Na, dann müsst ihr mal ausziehen, wenn euch das hier nicht gefällt.
Wir fragen einen Nachbarn um die Ecke, wie viel Miete er bezahlt und wie viele Quadratmeter seine Wohnung hat. Ungerecht, er zahl viel weniger pro m². Das Argument, dass unsere Wohnung fast doppelt so groß ist wie seine und verhältnismäßig im Preis drunter liegt, weisen wir von der Hand. Auch, dass wir ja eine große Terrasse zur Verfügung haben und der Nachbar um der Ecke nicht. Auch, dass bei den m² bei uns nicht mal der große Spitzboden einberechnet ist. Wir haben die Wohnung schließlich ausgemessen und sicher nichts falsch gemacht. Die Fläche unter Dachschrägen wird doch bis zur Decke abgezogen, oder? Auch der Bereich unter der Treppe, oder? Außerdem ist die Wohnung schlampig renoviert, die Fachleute, die das gemacht haben, taugen ihr Geld sicher nicht.
Nach der Abfuhr des Vermieters wenden wir uns an seine Frau. Ja ist es zu glauben? Die hat uns genauso abgespeist. Jetzt finden wir aber wirklich alle doof da und grüßen niemanden mehr. Die wollen uns rausekeln! Dann hätten wir auch in Mitteldeutschland bleiben können, da hatten wir denselben Ärger!
Dritter Monat: Eines Morgens bringen wir Papiermüll raus. Was liegt da in der Tonne? Ein völlig durchnässter an uns adressierter Katalog, auf den wir schon so lange warten. Die andere bessere Hälfte fängt die mit ihrem Hund zurückkommende Nachbarin ab und keift deutlich mit dem Zeigefinger fuchtelnd, wenn sie Krieg will, kann sie ihn haben, sie bekommt jetzt ne Anzeige. Die ist auch dreist, macht ein dummes Gesicht und sagt nur „Häh?„. Den durchweichten Katalog bekam sie aber fuchtelnd vorm Gesicht gezeigt! Da sagt sie, dass sie den schon gesehen hat, der hätte einige Tage draußen im Regen rumgelegen, aber sie hätte ihn nicht angefasst. Aha! Dann waren das die da! *fuchtel*
Immer noch dritter Monat: Nach unserer Beschwerde, weil man ja hier keinen Besuch empfangen kann, so wie das aussieht, kamen die mit Baggern an und haben das restliche Grundstück abgetragen, um es hübsch mit Steinen zu pflastern. Deshalb mussten wir unser Auto an die Straße stellen. Ist das nicht unverschämt? Das ist doch auch wieder nur Schikane! Alles haben die übrigens gemacht, nur nicht das Stück inzwischen hässlich von Unkraut überwucherte Erde zwischen den Terrassen, auf dem sich nun die Hunde vergnügen. Ist ja nicht nur die Nachbarin, die einen hat, sondern auch einer vom Hof um die Ecke kommt manchmal zu Besuch und der Vermieter hat auch zwei. Inzwischen sind die Bagger wieder abgezogen und wir können wieder parken. Da ist schon die nächste Katastrophe da: Über der Eingangstür nisten Amseln und scheißen alles voll! Das geht natürlich auch gar nicht. Unsere Nachbarin greift zwar zu Wasser und Schrubber, um das manchmal zu beseitigen, aber auf unserem Briefkasten liegt auch so ein Flatsch. Nun sind die Amseln weg, die Jungen futsch, das Nest zerstört. Jawoll.
Vierter Monat: So nach und nach haben wir unsere Sachen vom Grundstück und aus dem Eingangsbereich weggeräumt. Da spinnen Spinnen ihre Spinneweben dran und drum, noch so ein Unding. Außerdem hat die Nachbarin da nicht sauber gemacht. Sie sagte, so lang das privat genutzt wird, kehrt sie nur noch vor ihrer eigenen Tür. Weil wir ja jedesmal duschen müssen und sie raucht, haben wir immer was Duftiges hinter ihr her gesprüht. Auch, weil es so muffelig gerochen hat manchmal, was natürlich nicht unsere Schuhe vor der Tür waren. Nein! Eines Tages stand dann die Eingangstür auf, irgendwer meinte, das würde wie im Puff stinken, vor allem, wenn die Sonne reinscheint. Tagelang stand die Tür auf, immer wieder, auch, wenn wir sie jedesmal zugemacht haben. Das ist Mobbing pur! Womit haben wir das verdient? Wir mindern die Miete!
Immer noch vierter Monat: Ha, wir haben kein warmes Wasser morgens. Das gibt gleich einen Brief an den Vermieter, dass wir die Nebenkosten senken. Den kleben wir einfach außen an die Tür vom Laden, die kommen ja heute später und anrufen möchten wir die nicht. Unterwegs erzählen wir gleich noch anderen Leuten, auch Touristen und Kunden vom Vermieter, was die für ein böses Spiel mit uns treiben. Ups, da ist wohl etwas schiefgegangen … Zufällig war die Frau vom Vermieter doch schon früher im Laden und hat alles mitbekommen. Nachdem sie dann auch noch den Brief gelesen hatte, sah sie nach, warum kein warmes Wasser geht, schwupps, da gings wieder. Und die Moral von der Geschicht: Der Heizungs- und so Raum wurde prompt zugeschlossen. Angeblich hat da jemand absichtlich einen Stecker rausgezogen, um das warme Wasser abzustellen, sich zu beschweren und die Miete zu mindern.
Nun sollen wir auch noch Post vom Anwalt bekommen. Ist das denn die Möglichkeit?
Ja, soooo schön kann das Leben sein sich (natürlich frei erfunden?) gemacht werden 😉
Dummerweise hab ich zur Zeit Probleme, Bilder auf WordPress hochzuladen und auch sonst mit verschiedenen Optionen, teste mit diesem Eintrag deshalb mal wieder über Blogilo und zunächst bildlos weil alles etwas umständlich. Klappt das, folgen die Tage die lange versprochenen weiteren Texte und wunderwundertolle Bilder aus einem wunderwundertollen Inselfrühling – nur leider inzwischen um das Amselgezwitscher über meiner Terrasse ärmer ;‘-( …

Eine Antwort zu “Auf gute Nachbarschaft

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