Mal wieder: eine Leiche zum Frühstück

Genau genommen war es gestern Spätstück, ändert aber nichts am Leichenfund. Der erste war 2003, ich war noch frisch auf Föhr und im Oktober nach dem Jahrmarkt wurde ein junger Mann vermisst. Einen Monat und einen Tag später auf einem entspannt geplanten Morgenspaziergang mit Hund, damals Jacko, lag die angespülte Wasserleiche am Deich. ‚türlich hatte ich kein Handy mit, aber zufällig glücklicherweise war bei der nahegelegenen Polizei jemand da wegen Schichtwechsel – die Polizei hat hier „Geschäftszeiten“, ist nicht immer besetzt aufm Revier. Telefonisch müsste es also über den Notruf gehen, und da kein Telefon dabei, naja …

Kann euch sagen, noch Wochen danach sah jeder Stein und Findling im Wasser wie ein Kopf aus.

Letzten Sommer bin ich also umgezogen ans andere Ende der Insel und durfte gestern meinen verspäteten Einstand feiern erleben: War spät vormittags mit dem Racker unterwegs auf einem ruhigen Weg Richtung Strand. Vor uns auf dem Weg lag ein Fahrrad. Ist nichts Ungewöhnliches am Wochenende, manchmal bleibt so ein Drahtesel halt liegen und Mensch stapft rechts-links-vorwärts-mitte-schwankend zu Fuß nach Haus. Doof aber, dass beim Näherkommen klar war – da liegt jemand.

Scheiße!

Mensch war nicht ansprechbar, rührte sich nicht, kein Lebenszeichen, ich wieder kein Handy dabei, also Kneipe/Restaurant umme Ecke gestürmt wegen anrufen. Der ältere Mann war wohl auf dem Weg zum Frühschoppen gewesen und noch einer der Fittesten mit seinen 85 Jahren, wie ich später erfuhr.

Leider war nichts mehr zu machen, wahrscheinlich hatte er dort schon eine halbe Stunde gelegen ohne Leben drin. Notarzt, Krankenwagen, Hubschrauber (für Transport aufs Festland, unser Krankenhaus hier ist nicht für Alles gerüstet) – Rest in Peace bleibt da nur noch zu sagen und mein Beileid an die Angehörigen!

Schön ist das nicht, so ein Leichenfund … der Anblick … die Gedanken (wär ich ne halbe Stunde früher los und so) … die Angehörigen …

Immerhin sind wir, so lang noch kein Touristenüberlauf herrscht, frei von Gaffern hier und frei von Menschen, die einen einfach mal so liegen lassen und vorbeigehen.

Ein Verwandter war heute noch hier, um für sich zu rekonstruieren, was ja wichtig ist um zu verarbeiten. Er bedankte sich für die Hilfe, ich schäm mich in Grund und Boden, weil ich ja gar nicht helfen konnte, war zu spät. Wahrscheinlich war es Herzversagen, was zu dem Sturz mit Fahrrad geführt hat, weiß ich inzwischen – auch das beschäftigt ja: Was ist überhaupt passiert? Bei einem Menschen, der noch fit aufm Metallpferd um die Insel geradelt ist, mehr, als manch 20-Jähriger schafft und/oder tut.

Jo, das war ein Tag im April, der im März ist – blogtechnisch – aus diversen Gründen ausgefallen. Ich möchte jedenfalls nicht noch mal eine Leiche finden, darf mal jemand anders ran. Um eine kam ich immerhin schon rum – ein 2011 Vermisster wurde auf Amrum im Watt angespült statt hier … hatte schon bei jedem Strandgang mit Hunden damit gerechnet, dass … Jo.

Eine Antwort zu “Mal wieder: eine Leiche zum Frühstück

  1. so ist das leben (blöder spruch)

    mitten aus dem leben gegangen, dabei blauen himmel und bäume gesehen, mitten drin gewesen, in der natur, nicht im krankenhaus.

    ich drück dir die daumen, dass dir ab jetzt anders, angenehmes, schönes, wohltuendes begegnet, auf deinen wegen mit hund.

    Gefällt 1 Person

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