Bedrängen erlaubt, verteidigen verboten

Foto0387Ich muss mal eine Lanze brechen für viele Hunde, die viel zu viel erdulden, ohne sich jemals zu wehren. Einer davon ist mein Racker.

Ihm tut der Umgebungswechsel vom Föhrer Trubel in die ruhigere Föhrer Gegend immer noch merklich gut. Auch wenn er nach wie vor ein Powerpaket (soll er auch bleiben!) und Hibbel ist, er ist nun mal so, ist er wesentlich entspannter geworden.

Eins legt er aber nicht ganz ab (muss er auch nicht!): Fremden gegenüber ist er skeptisch, mag er nix mit zu tun haben, und wenn er mal mit einkaufen ist und seine Leine anne Laterne hängt, zieht er seine Show ab.

Schlimmer war es ja, als er noch klein war, inzwischen (er steht da mit Laterne ganz Abseits von allem Geschehen) wird er weniger bedrängt, weil der arme Hund da für etwa zehn Minuten alleine anne Laterne steht und luschert und bellt und luschert und bellt und luschert und … Sein Bellen ist aber lustig: Er vergisst es kurz während dem in der Gegend rumluschern, dann erinnert er sich, dass er ja eigentlich protestieren wollte, wirft den Kopp in Nacken, legt los, sieht was Interessantes, vergisst seine eigentliche Aufgabe wieder und luschert, erinnert sich wieder, kreiselt bellend mit Kopp im Nacken einmal um sich selbst, sieht was Interessantes, vergisst …

Ja nu, so isser, der Racker. Also eigentlich hält sich sein Gebell wegen der Vergesserei in Grenzen. Doof das, weil dann trauen sich doch mal Menschen hin, die die arme Laterne von dem Hund befreien wollen oder umgekehrt. Immer tauchen die im Rudel auf, also nicht ein Mensch, dem er trotz Laternenleinendings noch ausweichen könnte, sondern immer mindestens zwei, die sich von mindestens zwei Seiten so nähern, dass er wegen der Leine grad mal zwei Meter nach hinten und kein Stück weiter ausweichen kann.

Dann wird er unruhig. Klar, oder? Weiß nicht wohin, verheddert sich mit Leine und Laterne, ist noch eingeschränkter und bekommt Mitleid, weil er sich verheddert, muss erst recht befreit werden, wird noch nervöser, …

Ich stürm also raus, ein Schrei, alles steht fassungslos stramm (außer dem Racker, der freut sich über die Rettung) und soll von den Festländern wegen Tierquälerei die Fresse poliert bekommen, weil der arme Hund sich so verheddert hat mit der Leine und Laterne, was er ja nur tat, weil er von fremden Menschen bedrängt wurde und nicht ausweichen konnte.

Manchmal wünsche ich mir ja, es würde echt einer an die Leine kommen und ihn „befreien“. Weil: ein Ruck vom Racker und der- oder diejenige würde lang aufm Boden liegen. Hat er ja schon mit großen, gestandenen Mannsbildern veranstaltet. Daraufhin würde er senkrecht am Fenster zum Geschäft hängen (hat er nach Eigenbefreiung, Karabiner der Leine mit den kleinen Milchzähnen aufgeknipst auch schon geschafft) und sich freuen, mich da drin zu entdecken. Anschließend würde er schimpfen, weil seine Leine an der Laterne geblieben ist und mir erklären, dass ich die holen muss, ist seine.

Ein Wunder, dass ein Hund in Bedrängnis sich nicht einfach mal wehrt. Er könnte ja schließlich nach vorne statt nach hinten gehen. Manche lassen sich schlagen und sind dem Quäler ihr Leben lang treu ergeben. Hunde sind echt Wundertiere.

Gern nehme ich ihn aus diesem Grund gar nicht mit, weil er mit so menschlichem Gebaren nicht umkann und überfordert ist, manchmal geht es aber nicht anders. So wie jetzt wegen neuen Nachbarn = neue Geräusche, die ihn allein zu Haus nervös machen. In zwei Wochen sieht das wieder anders aus.

Nu musser mal mit und prompt hängt ne Traube Menschen um ihn rum, die mich hauen wollen, weil ich sag sie anschrei, sie sollen weg von dem Hund. Dummerweise hilft da nur Lautstärke, sonst würden die nicht stramm stehen und ihn in Ruhe lassen. Wie vollpfostig dämlich können Menschen eigentlich sein?

Ach ja – würde er doch mal nach vorne gehen und einen umschmeißen oder gar seine Zähne verteidigend einsetzen, wäre ja klar – ich hätte ne Anzeige und meine Bangbüx dürfte zum Wesenstest wegen Maulkorbbefreiung und sone Scherze.

Jacko und Shanni haben das übrigens auch durch, wobei Jacko ja nachdem er durch seine Paniken durch war der coolste überhaupt war. Shanni hat sich bei Bedrängnis einfach unter ihn gestellt. Einmal war sie aber auf der anderen Seite vom Fahrradständer, nicht auf seiner, und konnte sich nicht schnell genug in Sicherheit bringen. Da stand sie mit Leine stramm bis zum Ende in den Büschen und wollte sich vor Angst vor den ganzen fremden Menschen, die sie streicheln und retten wollten, eine Höhle bauen. Glücklicherweise hat Jacko einen Satz über den Fahrradständer gemacht, sich zwischen sie und die Gefahr gestellt, bevor ich die Daus zusammenscheißen konnte – so schnell war ich denn doch nicht.

Luna wollte mal eine klauen, da war es mit einem friedlichen Sprung dazwischen von Jacko nicht mehr getan. Seine Zähne hat er trotzdem nicht eingesetzt. Der Racker käm auf sone Idee gar nicht ~ manchmal frag ich mich nur, ob das nu gut oder schlecht für ihn ist.

So oder so, meine Lanze für Hunde ist hiermit – mal wieder – gebrochen, während ich diversen vollpfostigen Menschen nur Verachtung entgegenbringen kann.

… wehe, ich würde ein abgestelltes Fahrrad oder Auto bedrängen, die Anzeige wäre mir sicher …

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