Eine kleine Geschichte über (A-)Sozialitäten

Sie hat einige Höhen und Tiefen des Lebens durch. Viele davon waren spannend, manche sehr spannend, zum Beispiel in den Jahren, als sie neben ihrer Ausbildung und dem anschließenden Job in der Bank Steilwand gefahren ist. Einige Jahre war sie angestellt, anschließend selbstständig. Auch da ging es auf und ab – einige Jahre belief sich der monatliche Gewinn über einen fünfstelligen Bereich und ihr Erfolg nährte auch einige Angestellte, in anderen Jahren reichte es grad mal so zum Leben. So auch in den letzten, als sie etwa 4 1/2 Jahre auf etwa 8 m² hausen durfte.

Im letzten Jahr dann der Glücktreffer: tolle Wohnung in Strand- und Marschnähe, kleine Terrasse, endlich wieder neben arbeiten und mit Hund(en) draußen rumtoben auch zu Hause leben. Dabei ist sie nicht mal anspruchsvoll, nicht mehr – die Zeiten, in denen eine 40 m² Dachterrasse zur Lebensqualität zählte, sind eindeutig vorbei. Wozu braucht sie die auch, wenn es da doch kilometerlangen Strand vor der Tür gibt?

Da hat sie also ihre tolle Wohnung mit ihrer kleinen Terrasse, einem tollen Hund und toller Umgebung drumrum. So lässt es sich leben, freute sie sich. Eines Tages titschten neue Nachbarn auf, die kamen vom Festland, aus der Nähe von da, wo sie selbst mal gelebt hat. Naja, schaun wir mal. Geschaut hat sie nach wenigen Tagen, aber so was von dämlich aus der Wäsche …

Neben ihrer kleinen Terrasse, auf der ein Tisch, einige Stühle, ihr Fahrrad und neben einer ihrer lebendigen Erbschaften einige andere Pflanze stehen, an deren Busch nebendran sich den ganzen Winter über Rotkehlchen, Blaumeisen, Kohlmeisen, Spatzen, Amseln und sogar zwischendurch ein kleiner Zaunkönig tummelten, breitete sich auf gut 20 m² Chaos aus. Das Chaos bestand und besteht noch aus Gartenmöbeln, Trennwänden, Kisten, Puppen, Engelfiguren, Stangen, Müllsäcken, Kisten, undefinierbarem Kram, …

Ebenso sah (sieht) der kleine Hausflur aus, der die Wohnungen voneinander trennt. Eine Mülltonne steht mitten aufm Grundstück, weil ihr angestammter Platz von leeren Kisten und leeren Kisten und leeren Kisten eingenommen wird. Die leeren Umzugskartons, die ja nun zusammengefaltet in einer über 100 m² großen Wohnung nun wirklich keinen großartigen Platz in Anspruch nehmen würden, besiedeln nach und nach den Schuppen vorm Haus. Handwerker gehen Tag für Tag ein und aus, seit nunmehr über zwei Wochen. Allabendlich tauchen weitere auf, hier ne Schraube reindrehen, da ein Stück Holz unter den Küchenschrank schieben, da ein Regal richten, dort …

Das wär ihr ja alles egal so weit, sie ist froh, wenn sie ihre Ruhe hat, also einfach weiter ihr Leben leben kann. Das klappt aber nicht, denn eines Abends, als draußen noch Holz für die Küche gerade zu stellen gesägt werden musste, durfte ihr Terrassentisch ungefragt als Stütze herhalten, weil grad keine Sägeböcke zur Hand waren. Ungefragt, versteht sich. Sie bemerkte es, als sie auf Streifzug mit ihrem Hund raus wollte und fragte leicht angesäuert fassungslos missmutig, was denn da mit ihrem Tisch geschehe.

Da die Sache aber nu im Gange war, ging sie mit Hund ihrer Wege und spuckte bei der Rückkehr Galle: Tisch steht wieder da, aber kaputt. Ja danke. Eine Halterung für die Tischbeine zu fixieren rausgebrochen. Ergo klopft sie bei den Nachbarn und sagt, dass das so nicht ginge – erstens ungefragt an fremdes Eigentum gehen und dann unkommentiert kaputt zurückstellen. Was ihr entgegenschlug? Pures Unverständnis und Arroganz. Armes Blondchen kriegt einen neuen Tisch.

Das wollte Blond-Dummchen aber gar nicht, auch kein Cash, die wollte einfach nur, dass man die Pranken von ihren Sachen ließ, zumal ungefragt, zumal da gut 30 m² voll stehen mit Sachen, die hättet verwendet werden können. Schuld ist ja aber der Handwerker. Auch das hat Dumm-Blondchen nicht interessiert, weil sie meint, die Verantwortung liegt ja letztendlich bei dem, der beauftragt. Sie diskutiert da mit keinem Beauftragten, der außerdem natürlich, sie lebt ja da auf ihrer Insel, natürlich ein Bekannter war. Woher sollte der zur Hölle denn wissen, was ihr gehört, was er nehmen darf, wenn die ihr OK geben?

Am nächsten Morgen hatte sie Besuch von ihrem Altrocker-Bekannten, der ihr erstens den Tisch besorgt hatte und zweitens genau wusste, in welchem Zustand der noch einen Tag vorher war. Da wurde es ganz absurd. Man hätte Blondchen ja nicht fragen können, weil sie gar nicht zu Hause gewesen war. Dummerweise hatte sie aber just da Besuch von besagtem Altrocker, der neben dem Tischzustand also auch bestätigen konnte, dass Blondchen zu Hause war. Die Diskussion lief natürlich unnötigerweise mit dem bösen Handwerker, der wohl einen Anschiss bekommen hatte, und interessanterweise mit dem Altrocker, nicht mit ihr, die sie ja dort wohnt. Völligst interessanterweise waren die Nachbarn dann unvorbereitet, als sie die Tür öffneten, einen weiteren Müllsack nach draußen um die Ecke schmeißen wollten, einen bösen Altrocker aus Blondchens Tür kommen zu gehen. Müllsack wurde daher schnell vor der Tür fallen gelassen und selbige schnell wieder zugeknallt in Anbetracht der bösen fremden Gestalt.

Die Tür ging auch in den nächsten drei Stunden nicht mehr auf, so lange der Altrocker zum Kaffee trinken auf der kleinen Terrasse am inzwischen wieder gerade stehenden Tisch von Blondchen zusammen mit Blondchen und Hund saß und sich genüsslich grinsend einen Kaffee nach dem anderen reinkippte, während Herr Handwerker gelegentlich auf ne Zigarette zum Schnack rauskam.

Am nächsten Tag saugte Blondchen ihre Wohnung, vor allem wegen Hundehaaren und Milbenrückständen, weil ihr Hund ist ja Allergiker, da muss sie das öfter mal machen. Sie war immer der Annahme, obgleich sie alles andere als eine geborene Hausfrau ist, da macht sie den Bereich vor ihrer Tür gleich in einem Aufwasch mit. So tat sie denn auch. Blöde Entscheidung, sofort flog nämlich gegenüber die Tür auf und eine unterwürfig anmutende ältere Frau stand da, sie würde morgen alles saubermachen. Blondchen hat das gar nicht interessiert, auch die Müllsäcke, die sich neben ihrer Eingangstür stapelten, hat sie ignoriert, sie wollte bloß da vor der Tür das eben mit sauber machen. Natürlich geschah am nächsten Tag nüscht und auch bis heute steht der Kram da rum, ebenso wie draußen auf dem gesamten Grundstück verteilt, während alle fleißig weiter den Schlamm reinschleppen.

Dafür sollte der Allergiker-Hund mal eben mit Würstchen gestopft werden. Ihr Veto trug nicht unbedingt zu einer nachbarschaftlichen Annährung bei. Inzwischen hat sie ihr kleines Stück Terrasse von Reetdach-Rückständen gesäubert, ihr Fahrrad sommertauglich gemacht, Tomaten, Kräuter und anderen Kram gesät, sich einen neuen Sack Erde besorgt und sich vom Altrocker zum Einkaufen chauffieren lassen, bei dessen Anblick zur Rückkehr nebenan sofort wieder die Türen zugingen und das große Schweigen ausbrach.

Möchte sie abends mit dem Hund raus, ist sie dafür eingeschlossen. Nicht, dass sich da jemand auf das vermüllte Grundstück schleicht nachts und eine der hässlichen Puppen im Eingangsbereich klaut. Ist ja auch nicht so, dass Wohnung zuschließen genügen würde. Egal eigentlich. Sie hat dafür nun einen ihrer Wächter an der Terrassentür platziert. Ob sie eine Voodoopuppe bastelt und vor ihre Wohnungstür gegenüber der hässlichen Strubbelpuppe platziert, überlegt sie noch. Ihre Wächter sind original afrikanische Ebenholz-Werke, die sind ihr zu schade dafür.

Apropos Voodoo – das hat sie gar nicht nötig, Tyr spricht schließlich gerechtes Recht. Hat sich der nette Herr deshalb just nach dem kaputten Tisch seine Hand verletzt und musste ins Krankenhaus? Möglich – Mensch sollte sich nicht mit den Göttern anlegen. Auch nicht mit einem dummen Blondchen, deren Herz im Takt der Nordlandinsel und mit ihren Göttern schlägt. Oder heißt das „Hochmut kommt vor dem Fall“? Aber das ist natürlich alles reine Spekulation und sowieso frei erfunden. Oder? Wir werden sehen, wie die Geschichte weiter geht.

Lustig ist nur echt mal wieder, wie toll blond bisweilen als total merkbefreit betrachtet und behandelt wird. Kann doch nur ein Vorteil sein, oder sollte Bukowski tatsächlich recht behalten mit seiner Aussage?

Das Problem der Welt ist, dass intelligente Menschen voller Zweifel und dumme voller Selbstvertrauen sind.

3 Antworten zu “Eine kleine Geschichte über (A-)Sozialitäten

  1. Moin, ich habe es schon vor ein paar Tagen gelesen, habe nur momentan sehr viel Arbeit und um die Ohren. Das klingt nach Stress. Man kann Stress nicht immer ausweichen, was ich von vielen Situationen her kenne, wo wir das auch nicht konnten.
    Als hier im Haus ein Typ einzog, der einen besoffen laufend bedrohte und wegen Körperverletzung bereits vorbestraft war (nüchtern tat er immer so, als sei nix passiert), löste sich das Problem nach einigen Monaten für uns dadurch, dass er irgendwo so übertrieben hat, dass er wieder im Knast landete, dann auch länger.
    So ein Zuhälter-Typ nahm eine Russin hier aus dem Haus mit (die hat jetzt richtig Probleme, aber wir sind ihn los). Der hatte jemand aus dem Nachbarhaus mit einem Schlagstock einen Schädelbasisbruch verpasst .. auch unangenehm, wenn er nur eine Etage unter einem ständig zu Besuch ist, aber wir sind ihn so wieder los geworden.
    Unten im Erdgeschoss lebte eine Frau mit einem bissigen Doggenmix, die drogensüchtig war und den Hund nicht unter Kontrolle hatte. Das Ordnungsamt und die Polizei machten gar nichts. Das Problem löste sie selbst, indem sie sehr jung an einer Überdosis starb. Wo der Hund blieb, weiß ich nicht, aber die Gefahr ist vorbei.
    Von April bis Dezember 14 hatten die Box neben Chiwa und Prima zwei oberätzende Frauen gleich für zwei Pferde zusammen gemietet. Die Frau ließ Chiwa anfänglich stundenlang auf die Weide und ihren ca. 1000 kg schweren spät gelegten Wallach mehrmals auf sie rauf .. ich bin dann rabiat geworden. Chiwa erholte sich, die Stimmung war aber mehr als schlecht, weil wir die Leute ja täglich getroffen haben und da die Pferde unser Hobby sind, echt blöd. Mein Bauch sagte mir, die hauen im Winter ab, wenn Regen und Schlamm kommen, die sind nix für Selbstversorgen, das Wasser mit dem Eimer bei Frost aus dem Kuhstall holen, stundenlang ackern, damit im Winter alles ordentlich ist, und das bei Hagel, Frost oder knietiefem Schlamm. Ich hatte recht, im Dezember sind sie abgehauen. Die neue und ihr kleiner Isi-Mix sind besser, es passt besser mit den Pferden und auch mit den Menschen .. Stall macht wieder Spaß.
    Ob Du diese Situation auch durch Aussitzen lös wirst, weiß ich nun nicht .. kann nur die Daumen drücken. Alle die Probleme, die ich oben beschrieben habe, sind wir durch einfaches Aussitzen ..und klar auch ab und zu heftige Gegenwehr .. wieder los geworden.

    Schönes WE trotzdem
    LG Renate

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    • Naja Renate, wenn dein Leben und dein Umfeld nur aus Gewalt bestehen – oder du das so erlebst und kundtun möchtest – ok. Ich hab deinen Kommentar mal so belassen freigeschaltet, kann das aber im Kontext kaum so stehen lassen.

      Derartiges ist in meinem Blogbeitag keineswegs rauszulesen – nur mal so zur Klarstellung.

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  2. Das liest nur Du da raus .. weil ich Dir als Beispiel, dass Nachbarn, die einem wirklich nicht gut tun, auch wieder verschwinden können die nennen wollte, die uns hier wirklich extreme Probleme gemacht haben. Ansonsten leben wir hier mit über 100 Mietparteien zusammen und die meisten sind vollkommen in Ordnung … hätten aber mit dem Thema, dass man Probleme halt oft nur aussitzen kann, nichts zu tun .. die sind ja nett 🙂
    Bei über 100 Mietparteien is die Wahrscheinlichkeit .. und das in einem Sozialblock bzw. es sind drei Sozialblocks, wir wohnen in der Mitte von diesen drei .. dass immer mal wieder jemand einzieht, der allen anderen das Leben zur Hölle macht, recht groß. 🙂

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