Flexionen und Stoppwörter

Manchmal haben es Auftraggeber gar nicht so einfach. Sie müssen fachlich kompetent vorgeben, was fachlich kompetente Autoren umsetzen sollen. Oft lassen sie aber genau aus dem Grund Texte schreiben, weil sie einen Profi suchen, ein professionelles Ergebnis wünschen, selbst jedoch in einem ganz anderen Fachbereich kompetent sind.

Das wird nicht nur dann gelegentlich schwierig, wenn es um Keywords, Flexionen und Stoppwörter geht, um die geht es aber hier:

  • Keywordvorgaben: Dabei handelt es sich um konkrete Angaben, welche Begriffe und/oder Wortkombinationen in welcher Häufigkeit im Text vorkommen sollen. Üblicherweise muss der Autor diese Vorgaben exakt im Text erfüllen, andernfalls kann er ihn nicht abgeben.
  • Flexionen: Mit Flexionen wird es flexibler. Die Keywordvorgabe lautet zum Beispiel Telefon, dann wäre Telefone eine Flexion. Analog verhält es sich mit Auto – Flexionen wären Autos, Automobil oder Automobile. Bei einer Flexion muss lediglich der Wortstamm erhalten bleiben.
  • Stoppwörter: Diese sind oft bei vorgegebenen Wortkombinationen sinnvoll, zum Beispiel Theater Berlin. Dann könnte daraus ein sinnvoller Satz mit Theater in Berlin gebildet werden. Sind sogar Flexionen und Stoppwörter erlaubt, wäre glatt Spielraum für eine Formulierung wie Theaterbesuch in Berlin gegeben.

Doof ist es, wenn die Keywordvorgabe in etwa Hamburg Grafikdesign lautet und der Auftraggeber Flexionen und Stoppwörter erlaubt, um schließlich so was wie Grafikdesign in Hamburg oder Grafikdesigner aus Hamburg zu erwarten. Das ist schlicht nicht möglich, weil Flexion nicht bedeutet, dass eine Wortkombination in der Reihenfolge vertauscht werden kann.

Natürlich fallen einem Profi auch bei Hamburg Grafikdesign sinnvolle Formulierungen ein, erlaubte Stoppwörter und Flexionen vorausgesetzt … als da wären um in Hamburg einen Grafikdesigner zu finden und Ähnliches. Wieder doof wird es, wenn unter Flexion aber verstanden wird, dass frei mit den Worten gespielt werden kann, statt Grafikdesign soll also Grafikagentur in Kombination mit dem Unternehmensnamen im Text auftauchen, ein Bezug zu Hamburg hergestellt werden, die Dienstleistung aber tatsächlich international ist.

Lautet dann unter Berücksichtigung der Keywordvorgabe im Ergebnis irgendwie so: Die Grafikagentur „Unternehmensname“ bietet Hamburger Grafikdesign als Dienstleistung auch international an. Das muss dann (im noch günstigeren Fall – es gibt auch extreme Härtefälle) fünf mal irgendwie so oder so ähnlich auf 300 Wörtern in einem inhaltsreichen Text mit Lesefluss untergebracht werden.

Liebe Auftraggeber, wenn ihr möchtet, dass bestimmte Begriffe im Text auftauchen, reiht die nicht in einer einzigen Keywordvorgabe aneinander, da ist auch mit Flexionen und Stoppwörtern selten etwas Sinniges anzufangen, nicht, wenn ihr zugleich einen Mehrwert für den Leser, Lesefluss, Inhalt statt Hardcore-Seo wünscht. Selbst den tollsten Wortzaubereien sind da Grenzen gesetzt.

WDF*IDF ist auch nicht immer Eigelb. Handelt es sich im Text zum Beispiel um ein Verfahren, das sich Monitoring nennt, ist es kaum sinnvoll, aus einer WDF*IDF-Analyse den Begriff Monitor vorzugeben, es sei denn, ihr seid damit einverstanden, dass die Auswertung einer Analyse an einem Monitor angezeigt werden kann. Soll dem Leser vermittelt werden, was Monitoring ist, wozu es angewandt wird und wie, dazu noch die Dienstleistung einer Agentur beworben werden, ist deren statistische Ausgabe an einem Monitor ebenso unmehrwertig wie die auf einem Blatt Papier.

Ich schweife ab. Die Moral von der Geschicht: Verlasse dich nie auf Flexionen nicht, Stoppwörter stoppen den Lesefluss wenn eine vorgegebene Wortkombination sinnlos ist noch mehr und Tools sprechen nicht immer eine sinnvolle Wahrheit. Wird schon ein Profi mit einem Text beauftragt, verlasst euch doch einfach darauf, dass der weiß, wie es geht. Ihr müsst ihm nur sagen, was ihr konkret haben wollt.

Das ist in Etwa so, wie einen Handwerker zu beauftragen, mit einer Flexion einen Türstopper anzuschrauben. Der weiß schon, wie das geht …

Nein, keinesfalls möchte ich mit diesem Text beleidigen oder Besserwisserei rauskehren. Es häuft sich nur auffällig, dass der Googlezoo in Kombination mit Mehrwert für den Leser und intelligenten Tools für mehr Verwirrung und Unklarheit sorgt, als es dem Laien hilfreich wäre. Das Ergebnis sind meist Ergebnisse, die niemand haben will, Frustration ist vorprogrammiert, Mehrarbeit für alle Beteiligten ebenfalls, und zufrieden ist bei mit der Flex angeschraubten Türstoppern am Ende dennoch niemand.

2 Antworten zu “Flexionen und Stoppwörter

  1. Klar darfst du 😉

    Bei mir hat sich das zunächst durch Webdesign – hier und da mussten mal neue Texte her – und meinen Verlag nebst schriftstellerischer Tätigkeit so ergeben.

    Inzwischen schreibe ich, bezahlt, fast nur noch über Textbörsen wie content.de oder textbroker.de. Kann sich auch zum Quereinstieg anbieten. Allerdings, war bei mir auch so, kann die Einstufung und damit der Verdienst anfangs recht niedrig sein. Überzeugt die Qualität, ist langfristig ein gutes Einkommen möglich. Andernfalls reicht es halt für ein Taschengeld.

    Von Einigen weiß ich, dass sie außerdem in verschiedenen Facebook-Gruppen Aufträge suchen und finden.

    PS: Gelegentlich werden auch Texte rund um Hochzeit gesucht 😉

    Gefällt 1 Person

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