Nangijala: Über Emotionen, Tränen und Weisheiten

712Im –>hex’nhais’l starb eine glückliche Glückskatze, liebevoll begleitet. Sterben, das klingt so saudämlich menschlich. Leben ist Rhythmus, Tag und Nacht, Ebbe und Flut, Frühjahr, Sommer, Herbst, Winter, Kommen und Gehen. Niemals ist irgendwas aus dieser Welt weg.

Das weiß ich wohl. Trotzdem spielen meine Augen wieder mal den weinenden Himmel, wenn ich es lese. Warum eigentlich?

Weil: Ich bin wohl egoistisch und fühle mich ohne Jacko nach wie vor seelenamputiert. Andererseits bin ich so reich, weil ich so viel mit ihm erlebt habe auf dem gemeinsamen Weg. Das rührt mich auch wieder so.

Ich kenne die Wölfe – zumindest einen, der mich lange begleitet hat und gelegentlich mal vorbeischaut. Er ist groß, silberweissgrau, ich habe ihn immer Fenris genannt.

Ich weiß das alles – im Kopp – meine Tränen sind rein egoistisch und ein bisschen nahwassergebaute Veranlagung. Mein Pascha ist nicht mehr bei mir. Punkt. Dabei hat er mir doch beigebracht, wie das im Hier und Jetzt funktioniert. Hey, der war viel weiser als ich es jemals sein kann. Er fehlt aber trotzdem oder gerade deshalb …

Noch immer komme ich nicht zu dem Punkt, obwohl es das auch zwischendurch gibt, mich „nur“ über das Erlebte, unsere gemeinsame Zeit zu freuen.

Vielleicht sind es auch Schuldgefühle? Hätte ich ihn ausgerechnet an diesem Abend bloß an der Leine gehabt und solche Scherze …

Ich weiß, wie schwer es für ihn war, sich zu lösen. Wochenlang nach seinem Tod hing er in einer Art Blase, wie eine umgekehrte Gebärmutter, er war einfach noch nicht bereit und es war ja auch tragisch, Tag für Tag hatte er gekämpft, bis ich irgendwann in Anbetracht des trotz Medikamenten und allem, was ich tun konnte, nur noch unkontrolliert zuckenden, heulenden Hundes das OK gab zu dieser Spritze, die ihn hat gehen lassen, weil eben nichts mehr ging.

Ist das das Problem?

Weiß ich immer noch nicht.

Was ich aber weiß: Er wurde von einigen Bekannten erwartet und begrüßt. Auch ein silbergrauweisser Wolf stand da, um ihn zu begleiten. Ja, da habe ich auch was verstanden, aber in diesem kleinen Leben reicht es immer noch nicht, keine Tränen zu vergießen.

Sei’s drum – ans hex’nhais’l möchte ich an dieser Stelle fürs Teilhaben dürfen nur danke sagen.

Ich Emo 😉

3 Antworten zu “Nangijala: Über Emotionen, Tränen und Weisheiten

  1. „mußt“ du mal das buch lesen, merles tür, lektionen eines freidenken hundes. da hat einer ähnliches mit seinem hund erlebt, wie ich mit il gatto rosso und geht auch so damit um.

    ich glaub, trauern ist etwas ganz individuelles ist, der eine geht so damit um, der andere so.

    ich kenne das auch von früher, dem lange zerrissen werden, von einer trauer die schmerz ist. das nimmt einem aber soviel, von dem schönen, das man erlebt hat.
    wenn man dem schmerz erlaubt sich richtig zu melden und ihn annehmen kann, dann kann er gehen. damit kehrt die freude zurück, all das was es an schönem gegeben hat, wird die bereicherung sichtbar und damit kommt dankbarkeit, über das was man erlebt hat.
    kann der schmerz gehen, und auch die trauer, „es braucht sie nicht mehr“, es hat sich ja was erfüllt, vom anfang bis zum ende – und nun kommt zum vorschein, was es ausgemacht hat: die freude, das schöne, die lebendigkeit. damit kann die erinnerung kommen, wann, wie und so oft sie möchte, und es sind schöne erinnerungen.

    ich glaub nicht, dass das irgendwas mit ego zu tun hat oder schuldgefühlen, wenn man es anders erlebt. vielleicht eher, mit dem erlauben es anders wahrzunehmen, dankbarkeit für erlebtes zu empfinden ohne dass es weh tun braucht. das schöne hat ja die zeit ausgemacht, nicht die schmerz und der trauer. letztere beide sind aus meiner sicht, nur „zwischenstufen“ zum sich erlauben hin, dass es etwas zu ende sein darf/ist, das schön und lebendig ist, aber den lauf des lebens genommen hat, und damit endlich ist. um es zu ehren und achten, brauchen wir weder schmerz und trauer, die sind nur am anfang da, weil etwas gegangen ist, den unterschied so spürbar machen, danach aber, bleib ja alles erlebte bestehen, das ist woher freude und dankbarkeit kommen, dass es das gab.

    aus meiner sicht ist das so, bei allem was sich erfüllen konnte. nur bei dem wo sich etwas nicht erfüllen konnte, bleiben die erinnerungen mit schmerz und trauer eng verbunden. so hat sich das im laufe meines lebens heraus gestellt. das trifft auf alles lebendige gleichermaßen zu, auch wieder aus meiner sicht.

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    • „von einer trauer die schmerz ist. das nimmt einem aber soviel, von dem schönen, das man erlebt hat.
      wenn man dem schmerz erlaubt sich richtig zu melden und ihn annehmen kann, dann kann er gehen. damit kehrt die freude zurück, all das was es an schönem gegeben hat, wird die bereicherung sichtbar und damit kommt dankbarkeit, über das was man erlebt hat.
      kann der schmerz gehen, und auch die trauer, “es braucht sie nicht mehr”, es hat sich ja was erfüllt, vom anfang bis zum ende – und nun kommt zum vorschein, was es ausgemacht hat: die freude, das schöne, die lebendigkeit. damit kann die erinnerung kommen, wann, wie und so oft sie möchte, und es sind schöne erinnerungen.“

      Damit dürftest du absolut richtig liegen, auch mit dem Erlauben. Thx aus dem Nordland für die weisen Worte, die das Leben achten und es mit allen Facetten als das annehmen, was es ist …

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  2. Ich hab schon mehrmals ja gesagt zu so einer Spritze, aber früher war es immer meine älteste Tochter, die Tierarzthelferin, die dann gesagt hat, Mama nun muss es sein.
    Dann als es bei Chérie sein musste, meiner Fledermaus, musste ich das alleine entscheiden und meine Tochter hatte nichtmal Dienst, als ich mit Jürgen und Chérie in der Tierklinik ankam.
    Was war passiert? Sie hatte Hautkrebs. Auf den linken Hinterschenkel war schon lange eine Riesenbeule gewesen, zuletzt war da auch kein Fell mehr drauf. Es gab noch 12 kleinere Beulen, so Erbsen- oder Murmel-groß, nicht wie die da größer als ein Hühnerei.
    Plötzlich schoß sie rum auf dem Flur und begann, sich selbst große Stücke aus dieser Beule rauszureißen. Man hätte das nur noch verhindern können, indem man es verbindet und ihr auf Dauer so eine Halskrause um macht.
    Okay man hätte das Ding auch noch operieren können, aber das wäre nicht die einzige Operation gewesen. Die Tierärztin sagte, die anderen 12 Beulen würden binnen nur weniger Wochen oder Monate genauso groß werden.
    Trotzdem fühlte ich mich schlecht, als sie die Spritze bekam, denn sie begann zu kämpfen. Sie nahm das nicht einfach so hin, sie wollte die Tierärztin und ihre Helferin beißen. Ich fühlte mich plötzlich so schuldig und dachte, vielleicht hätte sie gewollt, dass alle diese Operationen doch gemacht werden, einfach um noch etwas länger leben zu können. Abends habe ich mich fürchterlich mit meinem Mann gestritten .. ich weiß nicht mehr, wie wir dazu kamen, aber ich weiß warum .. es ging uns beiden gleichermaßen dreckig und wir fühlten uns beide schuldig an dem Abend, weil wir dabei waren, wie Chérie so sehr um dieses Leben, das doch keins mehr war, gekämpft hat.

    Ich habe das noch nie so detailliert irgendwo erzählt … aber vielleicht hilft es Dir.

    LG Renate

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