Betriebsblindheit

Ich bin ja der Überzeugung, dass sich, ganz gleich in welchem Beruf, mal Betriebsblindheit einschleichen kann – oder auch (vielleicht abhängig von der Tagesform) einfach ein Brett vorm Kopp.

In beiden Fällen kann ich einen Text so oft lesen, wie ich will oder auch nicht will, einige Patzer übersehe ich aus reinem Automatismus heraus. Ich weiß ja schließlich, was ich schreiben wollte, so gaukelt es mir das Hirn denn auch bei mehrfachem noch mal lesen vor: Das steht da so, kein Stück anders.

Feinerweise gibt es eine Textbörse, die auch mal echtes Feedback gibt, statt nur der Qualität ne Nummer und ein „Prima“ oder „Ausdruck“ zu verpassen, sofern die Einstufung überhaupt kommentiert wird. Nun hatte ich ausdrücklich um Feedback gebeten und krieg gleich wieder ein Brett vorn Kopp, also gefühlt, weil das, das ich davor hatte, so laut runtergescheppert ist. Tatsache, da schreibe ich in drei Sätzen hintereinander Wortwiederholungen, die mir auch beim x-fachen Nachlesen nicht aufgefallen sind.

Woran kann das liegen? Ich behaupte, Betriebsblindheit, da braucht es in der Tat zwischendurch einen Schlag gegen den Hinterkopf. Wie aber solche Anfälle vermeiden, entzieht sich meiner Kenntnis. Biste betriebsblind, siehste es ja nicht. Überzeugt ein Text ansonsten, überlesen auch Auftraggeber so kleine Patzer und beschweren sich nicht. Tatsächlich wäre Kritik hingegen äußerst angebracht.

Leider kommt es – selten, aber dennoch zu oft – vor, dass Kritik geäußert wird, wo es auch nach sach- und fachgerechter Prüfung Dritter nichts zu beanstanden gibt. Das ist natürlich wenig hilfreich und frustriert eher und steigert zugleich die Selbstsicherheit. Klingt das nicht etwas irrational? Logisch ist es dennoch: Ungerechtfertigte Kritik frustriert, zeigt aber zugleich, eigentlich haste ja alles richtig gemacht. Das wiederum kann die Betriebsblindheit fördern, schließlich machste keine gravierenden Fehler. Rrrrummssss, landest du wieder auf dem Hosenboden, mitten auf den Tatsachen, mit der Erkenntnis, dass Autoren und Texter keine Maschinen sind, sondern Menschen, die durchaus auch mal schwächeln *hatschi*, nach einem freundlichen Hinweis, dass es da unten auf dem Hosenboden eher ungemütlich ist, doch sofort mit frischem Elan wieder einsteigen und neue buchstaberische Kunstwerke hervorbringen können.

Es lebe die gelegentliche Betriebsblindheit, nach Erkennen fühlste dich sofort lebendiger, und schreibst wieder freudig ohne die routinierte Brille, ich schwöre 😉

Das ist natürlich nur möglich, wenn es entsprechende Ansprechpartner gibt, die die ihren Lohn finanzierenden Tipper nicht als Nummer sehen, sondern sich immer freundlich und konstruktiv äußern. Könnten sich Mitbewerber gerne eine Scheibe, mindestens, abschneiden, lautet meine unbedeutende Meinung.

Eine Antwort zu “Betriebsblindheit

  1. Ich glaube, das hat jeder .. ich finde auch öfter Vertipper, wo meine Finger gemacht haben, was sie wollten, aber ich das wie Du beim Durchlesen nicht gesehen habe und die Kunden wie Du schon so schön sagst, dann auch nicht.
    Ich lese, da er Legastheniker ist, die Texte von Jürgen immer vorm Abgeben durch und übersehe auch da zuweilen was, obwohl das nicht meine Texte sind … das kommt sicher auch davon, dass das Hirn es schon beim Lesen korrigiert. Andererseits kenne ich auch Kunden, die generell alles runtermachen ..

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