Wenn es am Ausdruck und Lesefluss mangelt …

… liegt das nicht immer am Autor. Dabei handelt es sich um eine gar nicht neue, aber doch auch mal wieder zwischendurch aktuelle Erkenntnis. Glücklicherweise sind, zumindest bei mir, solche Aufträge äußerst selten geworden, in denen merkwürdige Keywordvorgaben in merkwürdiger Dichte verlangt sind. Niedlich finde ich, wenn der Auftraggeber dann beim fertigen Text den Ausdruck und den Lesefluss beanstandet. Es gab Zeiten, da hat mich so was echt gewurmt, inzwischen ist davon nur ein müdes Grinsen übrig.

Die veraltete SEO-Formel, dass eine Keyworddichte von 1-3% angestrebt werden sollte, wurde bereits zu ihrer Gültigkeit missverstanden. Wenn ein Text aus 1.000 Wörtern bestehen soll, dann 10 Keywordkombinationen, jeweils bestehend aus drei Wörtern, verlangt sind, ist das Rechenbeispiel doch einfach: Macht 300 von 1.000, die alleine an stur wiederholten Keywords einfließen müssen. Bleiben 700 für echten Content.

Das wäre eventuell sogar noch leserlich machbar, auch, wenn jedem halbwegs interessierten Leser die häufigen Wortwiederholungen natürlich aufstoßen. Handelt es sich bei den vorgegebenen Keywordkombinationen aber außerdem um Aneinanderreihungen von Begriffen, die so in keinem keinsten kleinsten aller erdenklicher Fälle Sinn ergeben, fluppt der Lesefluss natürlich weg. Unsinnige Begriffsaneinanderreihungen überlagern jeden minimalen noch vorhandenen Inhalt, der den Leser, der über eine Suchmaschine kommt, natürlich eigentlich interessiert. Er möchte nicht in jedem zweiten Satz HerstellerX ProduktX kaufen lesen, sondern wissen, worum es sich bei dem Produkt vom Hersteller handelt, um zu erfahren, ob es sich lohnt, dieses zu kaufen.

Kürzlich wurde mir sogar ein Änderungswunsch geschickt: Die vielen Wortwiederholungen seien lediglich Füllwörter, ich müsste nicht unbedingt die vorgegebene Wortzahl erreichen, solle aber bitte auf Lesefluss achten und mehr auf den Inhalt eingehen. Najanu … wenn ein Liter in einen Topf passt, zu einem Liter Wasser noch ein Huhn, Nudeln, Gemüse und so gekippt wird, ist der Topf zu klein, muss also entweder Wasser oder Inhalt raus. Das weiß ich sogar, obwohl ich nicht mal die dolle Köchin bin.

Ok, mit Hunden kenne ich mich besser aus. Mein Racker passt in sein Halsband. Da kannste nicht einfach noch zwei Hunde zusätzlich reinstecken.

Möchte ein geschätzter Auftraggeber also nicht in einem hundert Worte fassenden Text zehn mal Produkt Hersteller kaufen lesen, daneben noch zehn mal Frühjahrsaktion – macht einen Anteil von 40 Prozent! – ist etwas Grundschulrechnen angesagt. Danach können dann Vorgaben gemacht werden, die das Wunschergebnis ermöglichen.

Dummerweise nutzt es nichts, einfach von 100 auf 1.000 Worte zu erhöhen oder die Wortzahlvorgabe zu veringern, auch das habe ich schon frühzeitig in der Schule gelernt, bei Prozentangaben erhöhen sich die Keywords dann halt auf 400 und bleiben nicht bei 40 stehen und umgekehrt. Bleibt trotzdem mehr oder eben noch weniger für Inhalt, Lesefluss und Ausdruck bleiben so oder so bei irrealen Kombinationen auf der Strecke.

Es ist immer wieder schön, wie gesagt glücklicherweise sehr selten, wenn die vorgegebene Irrealität dann dem Autor angelastet wird. Ich drücke es mal so aus: lässt tief blicken. Noch schöner ist aber, dass es (habe ich das schon erwähnt?) wirklich selten ist. Meine belustigte Verwunderung sei jenen Seltenheiten dennoch gewiss, die derart praktizieren.

Ach ja – auf interessante Aufträge freue ich mich natürlich wie immer über –>content.de. Registrieren, loslegen!

2 Antworten zu “Wenn es am Ausdruck und Lesefluss mangelt …

  1. Na Du … einer meiner neuen Direct-Order-Kunden schickte mir nach einem kleinen Erguss auf einen Text, den ich vorher dummerweise von ihm angenommen hatte, bevor mir auffiel .. oh Gott was ist das denn ???? .. wo dann nur noch das Keyword Weihnachten drin vor kam und ich durfte frei über seinen Laden reden .. ist mir seitdem treu geblieben. Der hatte vorher irgendeine gut rankende Seite aufgerufen, die die gleichen Sachen verkauft und dann in ein Programm geschmissen und dann sämtliche Keyword inklusive der darin vorkommenden Orte .. auf der ganzen Welt, auch sonstwas für Namen, die nichts mit dem Produkt zu tun hatten … bestellt. Als ich dabei war, dachte ich, das kann nur kompletter Schwachsinn werden und habe dem das auch dann per mail so geschrieben … der war neu und hat nun verstanden, dass bestimmte Programme nicht 1 zu 1 übernommen werden sollten.

    Ansonsten ist mir in einem bestimmten Portal, wo es neuerdings zunehmend nur noch wenig lukrative Produktbeschreibungen zu ergattern gibt und unter diesen Kunden auch welche dabei sind, die bei so wenig Geld auch noch ständig meckern, aufgefallen, dass sich auch eine Autorengruppe von Menschen, die sich gar nicht kennen, sowas wie Solidarität gibt.

    Die Sachen bleiben zuweilen da wochenlang liegen und keiner geht dabei … ich scheine nicht die einzige Autorin zu sein, die sich bei bestimmten Kunden Notizen macht wie: „Für den nur schreiben, wenn wir nix mehr zu Essen haben. Der spinnt total.“

    LG
    Renate

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