Rackereien: Bleiben ist schwer

Mal ganz kurz alleine bleiben hab ich schon gleich gelernt, als ich zu meiner Menschin kam. Am Anfang war das echt schwer, da hab ich geweint und sie gerufen, obwohl ja die Fledermaus da war, ganz allein war ich also nicht. Aber ich wollte bei meiner Menschin sein, auch, wenn ich die Fledermaus ganz doll mochte. Mit zehn Wochen war das nicht mehr so schwer, da bin ich sogar mal eine halbe Stunde geblieben, mit der Fledermaus, ganz ohne weinen und rufen. Kaputt oder schmutzig gemacht hab ich auch nichts.

Manches Bleiben fällt mir aber schwerer, zum Beispiel als wir umgezogen sind. Wir hatten ein tolles neues zu Hause, aber alles war so fremd, vor allem die Geräusche, und ich wusste ja nicht, ob sie hier auch immer wieder kommt … Da hab ich sie richtig laut gerufen, so laut, dass niemand das überhören konnte, sie auch nicht, egal, wo sie grad war. Hab ich aber nur in der ersten Woche gemacht, dann war schon alles wieder ok.

Ich konnte auch von Anfang an draußen vorm Geschäft bleiben, wenn sie da drin ihr Essen gejagt hat. Da war ich laut, damit sie mich nicht vergisst und mich niemand streicheln oder füttern will. Mach ich immer noch so. Außerdem darf ich da immer an meine Laterne, um die renn ich beim Lautsein manchmal zwischendurch im Leinenradius rum und pass auf sie auf. Manchmal sitz ich auch nur da und beobachte alles in der Nähe, bevor mir wieder einfällt, dass ich da ganz alleine bin und laut sein muss.

Was ich dann gelernt habe, da war ich noch ein paar Monate klein, war: Nach dem Toben, wenn ich richtig kaputt war, mit und ohne Leine am Strand oder im Wald sitzen oder liegen und bleiben, wenn sie einen Meter weggegangen ist. Aber bitte keinen Schritt weiter! Erst mit der Zeit war mir das dann egal, wenn es mal zwei oder drei Meter waren, bin ja nicht kleinlich.

Jetzt wird das Bleiben echt schwer. Ich darf mit ihr raus auf die Terrasse, darf mit ihr bis zur Einfahrt um die Ecke, da soll ich mich hinsetzen. Ich muss dann da bleiben, während sie die Mülltonne holt und an die Straße stellt oder wenn sie an die Straße geht und sie wieder zurück in das tonnige zu Hause bringt. Das sind ganze 15 Meter Meter, ein gefühlter Kilometer, die sie alleine mitohne der Rumpeltonne spaziert, und ich darf nicht mit! Vor allem weiß ich ja auch nicht, ob sie an der Straße um die Ecke verschwindet und da sitz ich plötzlich allein in meinem Bleiben. Das mach ich nur mit, weil sie dann zufrieden ist und wenn ich sie noch sehe, sonst würde ich nur ohne Leinenradius in meiner Wohnung alleine bleiben.

Diese Woche haben die mich geärgert. Sie geht mitohne Mülltonne spazieren, ich sitz da, schau zu und bleib, da ruft mich ein Bekannter, den ich eigentlich echt mag, von meiner Terrasse aus und will mir ein Schweineohr schenken. Der spinnt wohl. Erstens gehören die sowieso mir, zweitens bleib ich, wenn ich bleib, auch wenns schwer ist.

Außerdem muss ich ja auf sie aufpassen, die Rumpelteile sind nämlich nicht ganz ohne. Am Anfang sind wir mal mit einer zusammen zur Straße gelaufen, da wollte ich auf den Arm, so hat die mich verunsichert. Eifersüchtig war ich auch, ist schließlich meine Menschin und nicht die von ner Rumpeltonne. Dann hab ich mich so gefreut, dass ich keine Angst mehr vor dem Ding hatte, dass ich vor lauter Begeisterung auf den Arm wollte oder wenigstens rumpelig mitspielen. Durfte ich alles nicht, stattdessen sollte ich einfach ruhig neben ihr bleiben – ja, das war auch so ein schweres Bleibding.

Jetzt stört mich das nicht mehr, also machen wir andere Bleibereien, die ich auch echt schwer finde, weil eigentlich will ich ja dabei sein. Aber wie gesagt, so lang ich sie sehe, mich niemand ärgert, mach ich das halt. Sie sagt, wir versuchen das auch mal, wenn ganz viel Ablenkung drumrum ist. Oje, das mag ich glaub ich nicht, dann kann ich nicht so gut auf sie aufpassen und sie nicht auf mich, stellt euch mal vor, mich will jemand anfassen oder schubsen! Oder ich soll meine Kumpels damit verärgern – wir toben nicht, weil ich bleibe, das geht ja mal gar nicht.

Wenn wir toben, kann sie einfach bleiben, ist nur gerecht, oder? Weil wenn sie mitohne den Rumpels spaziert, bleibe ich ja auch.

Eigentlich wollte sie euch noch ein paar Bleib-Fotos zeigen, aber ihr Netz lahmt so, dass sie die nicht geladen kriegt. Ist auch besser, dann können wir jetzt endlich raus, mit dem Sturmwind rennen, satt hier rumzubleiben!

Eine Antwort zu “Rackereien: Bleiben ist schwer

  1. Hallo Joker, ich kann Dich gut verstehen. Das mit dem alleine bleiben ohne Herrchen und Frauchen mag ich auch gar nicht. Blanka ist zwar da, wenn ich alleine zu Hause bleiben muss, aber die schläft den ganzen Tag und versteht mich auch oft nicht. Ich schau dann oft aus dem Schlafzimmerfenster. Das geht gut, da kann ich auf einen Stuhl klettern und mit den Vorderpfoten auf die Fensterbank. Da sehe ich dann immer, ob Herrchen und Frauchen schon wieder kommen. Es könnte ihnen unterwegs ja auch mal was passieren.
    Im Stall muss ich sehr oft alleine bleiben. Da ist dann nur noch die Maus in der Sattelkammer, an die ich nie ran komme. Die kommt auch nicht zu mir, selbst wenn ich belle. Und Herrchen und Frauchen rennen da laufend weg. Die laufen mit den Pferden rum, holen Heu und Strom und bringen den Pferdemist weg, und ich armer Boomer muss warten und warten. Das ist schon oft ein Kreuz mit den Menschen.
    Ganz schlimm finde ich das auch, wenn Herrchen auf dem Weg in den Stall öfter in den Wald geht, da einen Grenzstein am Baum setzen. Der läuft dann immer so weit weg und Frauchen geht schon mit mir vor. Ich drehe mich dann laufen um, wo er denn bleibt. Es könnte ihm ja auch mal was passieren so ganz alleine ohne sein Rudel im Wald.

    Wie Du siehst, verstehe ich Dich gut, Joker.

    Beim Kaufmann muss ich auch oft alleine draußen bleiben. Immer wenn Herrchen und Frauchen beim Netto das Futter jagen gehen. Da gehen immer beide rein. Ich passe dann auf den Rollwagen auf, mit dem sie die Beute nach Hause rollen. Nicht dass da noch einer bei geht, geht ja gar nicht. Früher habe ich immer auf das Auto aufgepasst. Manchmal kamen die fremden Menschen so dicht ran, dass ich die Rücksitze zerbeißen musste .. musste ja aufpassen. Herrchen fand das nicht so toll, der hat nicht verstanden, was ich da für eine Verantwortung trage, wenn ich auf das Auto aufpasse.

    Wenn Frauchen bei Aldi und Sky jagen geht, bleibt Herrchen immer bei mir. Da sind immer so viele Menschen und ich soll nicht so viel Krach machen.

    Dein Boomer

    PS: Falls wir uns nicht mehr lesen sollten, schöne Weihnachten für Dich und den Racker.

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