Auf den Hund gekommen

Bild085Leider auch auf dessen Kosten.

Hunde sind treu, zuverlässig, liebenswert, wenn Mensch sie lässt. Ist das in der konsumorientierten Gesellschaft überhaupt möglich? Warum schaffen sich Menschen überhaupt Hunde an? Muss es unbedingt ein niedlicher Welpe sein, diese oder jene Rasse? Was bedeutet es überhaupt, einen Hund an seiner Seite zu haben? Da fällt mir so Einiges ein:

  • kosten Geld
  • brauchen Bewegung
  • möchten in Gesellschaft ihrer Menschen sein
  • suchen Sinnbefriedigung
  • wollen ihren Trieben nachgehen
  • testen ihre Grenzen aus
  • bellen gelegentlich
  • haben Zähne
  • sind Individuen
  • kommunizieren äußerst feinsinnig
  • Weiteres

018aHunde kosten Geld: Die Kosten sind sicher überschaubar. Na gut, da sind zunächst mal die Anschaffungskosten und was Hund halt so alles brauch. Dazu kommen die regelmäßigen Kosten für Futter, Hundesteuer, Impfungen, inneren und äußeren Parasitenkram, vielleicht auch noch Versicherungen. Dummerweise werden Hunde aber auch mal krank, einige Rassen sind sogar für verschiedene Krankheiten prädestiniert, was Vielen vor der Anschaffung gar nicht bewusst ist. Für den Halter bedeuten das hin und wieder einmalige Zusatzkosten in nicht absehbarer Höhe oder auch zusätzliche laufende Kosten für Medikamente, spezielles Futter, regelmäßige Untersuchungen. Schnell wird der Hund dann zur Last. Das kann insbesondere bei sogenannten Wühltischwelpen schon in den ersten Lebenswochen oder -monaten der Fall sein, davor gefeit ist aber grundsätzlich kein Hund.

Hunde brauchen Bewegung: Die einen sind ausgesprochene Rennhunde, die anderen geborene Jäger, wieder andere treiben vorzugsweise kilometerweit Herden der unterschiedlichsten Arten über Stock und Stein, durch Berg und Tal, noch mal andere apportieren für ihr Leben gerne. Daneben gibt es natürlich die gemütlicheren Zeitgenossen. Ist den Haltern wirklich bewusst, was sie sich da ins Haus holen? Kleine, süße Terrier können die reinsten Kraftpakete und Sportskanonen sein, während sich der Riese als gemütlicher Kuschelbär entpuppt. Jäger und Hüter sind nicht immer einfach zu händeln, einem Renner ist es meist egal, ob es Bindfäden regnet, Eisklumpen hagelt oder Mensch die Tränenflüssigkeit einzufrieren droht, sie brauchen ihr tägliches Pensum. Schon wieder kann der Hund zur Last werden oder sich gar als problematisch erweisen.

Hunde möchten in Gesellschaft ihrer Menschen sein: Dabei sein ist alles. Mal alleine zu Hause bleiben, das müssen Hunde erst lernen. Dass ihnen dabei weder akustisch die Welt gehört noch die Wohnungseinrichtung ihrer Langeweile dient, auch. Mit einigen klappt das schneller, bei anderen dauert es länger, manche scheinen es nie zu lernen. Spätestens, wenn sich die Nachbarn beschweren oder regelmäßige Neuanschaffungen notwendig sind, ist der Hund erneut zum Problem geworden.

Hunde suchen Sinnbefriedigung: Kleine Kinder nehmen die unterschiedlichsten Gegenstände in die Hand, um sie anschließend in den Mund zu stecken. Welpen möchten ihre Zähne an allem austesten, was sie erwischen. Drin und draußen wittert die sensible Nase die unterschiedlichsten Gerüche, die Ohren nehmen die vielseitigsten Geräusche wahr. Darauf reagiert jeder Hund so oder so, jeder Hund untersucht seine Umgebung so oder so. Vor allem draußen ist alles so spannend, kann zur Reizüberflutung und Nervosität werden, aber auch zu erfüllten Sinnen und Ausgeglichenheit. Letzteres ist für Hund und Mensch vorzuziehen. Das ist Aufgabe des Menschen. Gelingt es nicht, ist das nächste Problem geboren.

Hunde wollen ihren Trieben nachgehen: Sie müssen es sogar – dem Leben in Gesellschaft des Menschen haben sie sich zwar weitgehend angepasst, tun es immer weiter und immer wieder, ihre eigenen Veranlagungen sind ihnen aber erhalten geblieben. Der Haupttrieb lautet überleben. Dem verdanken sie ihre außerordentliche Anpassungsfähigkeit. Der Überlebensinstinkt betrifft das Individuum, aber auch die Art. Das bedeutet fressen, vermehren, im Notfall verteidigen oder flüchten. Hinzu kommen spezifische Triebe wie die bereits erwähnten Vorlieben für das Jagen, Rennen, Apportieren, Hüten und mehr. Die Triebe des Hundes zu unterdrücken bedeutet, den Hund zu brechen. Allenfalls können sie in – nach Auffassung des Menschen – geeignete Bahnen gelenkt werden, ohne dem Hund zu schaden. So, wie sich der Hund auf den Menschen einstellt, muss Mensch sich auf den Hund einstellen, soll Hund Hund bleiben dürfen. Andernfalls ist ein Stofftier oder ein Tamagocha geeigneter. Hunde sind keine Maschinen, nicht da, um zu funktionieren, sondern um zu leben und entsprechend gebührend behandelt zu werden.

Hunde testen ihre Grenzen aus: Ja, sie erkunden ihre Umgebung und erforschen sie mit ihren Mitteln. Ob Mensch die mag oder es Mensch gefällt ist dabei erstmal egal. Sie wollen wissen, wie sie sich zu verhalten haben, was sie ohne Gefahr tun können, was nicht. Sie verlassen sich aber auch auf einen vertrauten Menschen, zu dem sie (na, was?) ein Vertrauensverhältnis aufgebaut haben, dass er sie souverän durch alle Situationen führt. Tut Mensch das nicht, muss Hund nach seinem Ermessen selbst entscheiden. Je nach Veranlagung und bisher Erlebtem kann auch das zum Problem werden.

Hunde bellen gelegentlich: Ja, das tun sie. Sie haben zwar auch andere Möglichkeiten, sich auszudrücken, können aber auch bellen und tun das gelegentlich. Sobald der Hund zum Dauerkläffer wird, sind Probleme vorprorammiert, wenn nicht das zu Hause weit genug weg von sich belästigt fühlenden Menschen wohnt, wenn sich nicht Spaziergänger ob des ein Motorrad anbellenden oder Jadgeheul ausstoßenden Hundes erschrecken. Vielleicht darf Hund auch nur nicht ins Schlafzimmer und ruft seine Menschen, die er mit seinem Gebell oder Gejaul oder Gewinsel um die wohlverdiente Nachtruhe bringt?

Hunde haben Zähne: Gut, damit zerkleinern sie ja ihre Nahrung. Was aber, wenn sie die deutlich zeigen oder einsetzen? Manch einem Menschen wird da Angst und Bang, andere sind entrüstet ob der Zerstörungen. Manche denken, der Hund grinst, ein tatsächlich grinsender Hund hingegen wird falsch verstanden. Noch dazu können die Zähne Steine bekommen, das kostet wieder, dann riecht das auch noch unangenehm aus dem Maul, igitt. Problemklappe die x-te.

IMG_1287Hunde sind Individuen: Unabhängig von Rasse, Geschlecht und Alter, sind Hunde oft für eine Überraschung zu haben. Ist egal, weil, jeder Hund ist ein Individuum. Darauf heißt es, einzugehen, sich darauf einzustellen, sich und das Leben anzupassen. Es gilt nicht, den Hund umzumodeln oder umzutauschen. Das ist auch bei Welpen so, die ja ach so formbar sind. Werden sie erwachsen, entwickelt sich ihr Charakter und Hirn. Spätestens jetzt können sie zu Nasentänzern werden und somit zu einem lästigen Problem.

Hunde kommunizieren äußerst feinsinnig: Sie senden, ohne sich zu mucksen, viele Signale aus. Versteht Mensch die? Oft nicht. Missverständnisse sind dummerweise eine der Grundlagen für Probleme, die dann „behandelt“ werden, schlimmstenfalls durch Hundetrainer, die selbst wenig empathisch sind und Hunde nicht verstehen. Da Hunde Individuen sind und sie sich je nach Umfeld anders verhalten können, gibt es kein Patentrezept – sie sind ja schließlich auch keine Krankheit.

Oder doch?

IMG_0319Listenhunde, Problemhunde, Bellhunde, Jagdhunde, Hütehunde, Wachhunde, unterforderte und unausgelastete Hunde, überforderte Hunde, gegen alles haben Menschen eine Medikation: Haltungsverbot, erschwerte Auflagen, Hundetrainer mit schneller Lösung, Abgabe des Hundes.

jacko_4Hey, wer es noch nicht begriffen hat: Hunde sind nicht das Problem und waren es nie! Sie geben sich naturgemäß alle Mühe, mit und in ihrer Umwelt zurechtzukommen – auf ihre Weise, sind halt Hunde. Sie möchten es auch bleiben, sind halt Hunde!

An dieser Stelle: Wer sich einen Hund anschaffen möchte, möge sich vorab informieren, so die Kenntnis noch nicht vorhanden ist, und sich sehr, sehr gut überlegen, ob er sein Leben darauf ausrichten möchte, was ihn erwartet. Das gilt nicht nur, aber insbesondere beim Welpenkauf. Dazu ein interessanter Artikel vom –> Tiermedizinportal.

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Das Leben ist facettenreich, deshalb sind es auch Hunde. Ihr könnt von ihnen lernen, sie gängeln und zu funktionierenden Maschinen zu machen, auch solches von Hunden zu erwarten, ist lebenswidrig. Seid ihr so unlebendig, erwartet nicht von einem Hund, dass er euer Leben aufwertet.

Ansonsten kann ich in einem Nachsatz nur anmerken: Hunde sind eine Bereicherung, wenn Mensch sie lässt.

Unvollständig, das Thema ist bücherfüllend und es gibt bereits viele, auch gute, aber mal zusammengefasst aufgedröselt. Das TiVi vermittelt nicht immer Realität, liebe Hundehabenwoller oder -habende. Auch nicht unbedingt der vermeintlich weise schnackende Gegenüber. Kopp und Herz einschalten!

Wem der Schuh nicht passt, muss ihn sich nicht anziehen, ich tu das auch nicht.

Ergänzungen:

Hunde brauchen Pflege: Manch ein Hund hat gar ein Zottelfell, in dem sich allerlei verfängt, das aber auch ohne Fellsammelzeuch gepflegt werden muss. Manchmal täglich, manchmal reicht das wöchentliche Trimmen, manchmal muss geschoren werden, manchmal nur gelegentlich gebürstet. Je nach Fell wird manchmal die Wohnung mit Haaren geschmückt, je nach Aktivitäten sieht sie genauso schietig aus, wie der Hund. Ihn täglich baden? Äbäääh, nääää!! Ihn pflegen, wie er es benötigt? Ja!

5 Antworten zu “Auf den Hund gekommen

  1. Wenn ich an meine Viecher denke, fehlt noch der Punkt: Hunde brauchen Pflege, jedenfalls die Zotteligen 😉 – Sonst hast du schön alles abgedeckt …
    Sehr schöner Beitrag, und gerade jetzt zur „Geschenksaison“ so wichtig! Danke!

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  2. Hast Du schön geschrieben .. und egal ob meiner vom Pferdestall aus direkt ins Bett springt, mein Sofa vollfusselt (Katze kann das aber noch besser), seit dem letzten Gebissenwerden jetzt sogar jede Pekinesen wütend ankläfft, weil er Angst bekommen hat, jedem Menschen, der uns besuchen kommt, sofort auf den Schoß springt und uns beim Frühstück oder Essen überhaupt so dicht auf der Pelle hockt, dass einem die Wurst schon wegen seinem Blick vom Brot rutscht .. Du hast recht, jeder Hund ist eine Bereicherung und ich möchte nicht darauf verzichten, dass einer in unserer Familie lebt. Ein Hund gehört bei uns hier einfach zum Lebensgefühl dazu und uns würde was fehlen, wenn wir keinen mehr halten könnten.

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