Nangijala: ein wenig melancholisch und urtraurig, ein wenig glücklich

pachoEs ist nun über zwei Jahre her, dass Jacko sich die Vergiftung zugezogen hat. Noch immer vergeht kein Tag und es gibt nur wenige Situationen, in denen ich nicht an ihn denke. Vor allem, wenn ich – nun ja selten – mal wieder an den alten Strecken vorbeilaufe oder -fahre, derer es viele, viele, viele gibt.

Immer noch überkommt mich Wut, weil er dieses Schicksal nicht verdient hat, er hätte noch einige mehrere gesunde, glückliche Jahre haben können – und ich mit ihm. Ich wünsche mir, der Racker hätte ihn noch kennenlernen können – der Pascha hätte ihm schon erklärt, wie die Welt funktioniert, hat er noch bei jedem Hund geschafft, der einstige Paniker.

Dann sehe ich den Racker und bin glücklich. Nie hätte ich gedacht, dass es noch mal einen Hund gibt, mit dem ich so von Seele zu Seele … da war Jacko wirklich was Besonderes. Dankbar bin ich ihm, weil ich so viel von ihm lernen durfte, irgendwie hat er auch mir die Welt erklärt. Ich durfte über Hunde lernen, über Menschen und das Leben an sich, die Natur fühlen und lebendig sein.

Nie habe ich ihn aufgegeben bei all seinen Spinnereien zu Anfang, die all seinen Traumata entsprungen waren. Ständig habe ich die Schmerzen und Ängste seines geschundenen Wesens gefühlt. Nie hätte ich erwartet, dass er sich zu dem entwickelt, was er dann viele Jahre war – ein weiser, lebensfroher, souveräner Begleiter, immer zuverlässig, immer fürsorglich, entscheidungsfreudig, aber nicht aufdringlich. Durch die dunkelsten Wälder hat er mich geführt, so und so.

Mit ihm ist tatsächlich eine Welt untergegangen, eine ganz reiche, auch meine. Nun habe ich eine neue … mit dem Racker. Manchmal frage ich mich, ob es an mir liegt oder ob es wirklich so was wie Seelenwanderung gibt. Joker ist natürlich voll und ganz ein RSP – ein RackerSammelzeuchPirat. Aber er hat auch viel von Jacko und Shanni, so ganz bestimmte Wesenszüge, die ich bei keinen anderen Hunden je erlebt habe.

Weihnachten 2012 musste ich Jacko aus dem Hier verabschieden, eine Woche vorher hat der Racker sich in dieses Leben begeben. Er war der Ruhigste, Unauffälligste, Schmächtigste zwischen seinen acht RPs (RüpelPrüdern). Keiner wollte ihn haben. Bis das Schicksal mir mitgeteilt hat, dass da ein Rüde auf zu Hause wartet, so einer, den ich nie wollte: Ich wollte keinen Welpen, ich wollte keinen Labbi, keinen Aussi und keinen Schäferhund, ich wollte keinen schwarzen Hund (nicht, weil ich was gegen sie hätte, sondern weil drei schwarze Jackos Erzfeinde waren, irgendso eine komische nachträgliche Solidarität meinerseits halt). Ich bekam also alles, was ich nicht wollte. Außerdem wollte ich ohnehin nur Jacko zurück.

Bild0045So kam es dann mit knapp über sechs Wochen schon zu mir, das untergehende Fellbündel, noch immer bereue ich keine Sekunde. Er hat mir nicht über den Jacko-Verlust-Schmerz weggeholfen und wird es nicht, nicht mal bei all dem Tränenablecktrösten, das er mit sechs Wochen schon beim kleinsten Seufzer veranstaltet hat, auch nicht über Shannis folgenden Tod, das Dreamteam lebt in nun Nangilima und in meiner Erinnerung. Der Racker aber trägt sie komischerweise in sich.

Bild0124Ich hatte schon einige Hunde, viele in Pflege, noch nie aber hat mich einer so berührt wie Jacko und mit ihm zusammen später auch Shanni. Der Racker schafft es auf andere Weise, er rackert und sammelzeucht sich halt durchs Leben mit seinem ureigenen unschuldigen Charme, ist total sensitiv, was all sein Hyper ausmacht, und doch so sanft und im Einklang mit allem, faszinierend. Wieder ein Hund, von dem ich viel lernen kann, der meine Sinne erweitert und der eine absolute Bereicherung ist – Leben, dass das Leben braucht.

So viel Glück neben so viel Trauer, so viel Leben neben einem untergegangenen Leben, so viel Liebe hier neben so viel Liebe dort, die sich im Herzen vereint …

Foto0513_v1Ich wünsche dir, dass du deine Unbeschwertheit niemals verlierst, du Racker, und nicht wie Jacko zum Denker und Philosophen werden musst, obwohl im das letztendlich seine Weisheit beschert hat. Überlass das Trauern und Grübeln mir, tob durch die Wiesen und die Wellen, auch wenn keine da sind, und genieß dein Leben.

 

Irgendwie ist das Dreamteam gewachsen, auch, wenn zwei davon drüben sind ...

10 Antworten zu “Nangijala: ein wenig melancholisch und urtraurig, ein wenig glücklich

  1. Weißt Du, jeder Hund ist anders, und jeder ist was ganz Besonderes. Du gehörst zu den Menschen, deren Hunde auch nach ihrem Tod nie vergessen werden und Du wirst ihre Individuatlität auch immer im Gedächtnis behalten, da bin ich mir ganz sicher, an sie denken.

    Du, ich wollte nie ein braunes Warmblut haben, aber es kam zu mir, einfach so.

    Ich bin der Typ, der eigentlich zu einem ruhigen gemütlichen Kaltblut passt, aber sie wurde mir einfach weg genommen, obwohl ich sie doch so geliebt habe und sie das einzige Pferd im Leben einer alten und immer unsportlich gewesenen Frau war, auf dem ich jemals habe reiten und durch die Wälder um unseren Hof rum streifen können.

    Ihre Freundin wurde ein angriffslustiges kleines freches Pony, das mich schon als Fohlen das Fürchten lehrte, weil sie mich ständig angriff und anstieg, beim Führen unterwegs nach hinten ausschlug, sich los riss und mir oft weg gelaufen ist. Aber sie wurde schwer krank, starb fast und überlebte dann doch und blieb bei mir. Sie ist ruhiger geworden und sie hat mich viel Mut gelehrt, weil ich ja mit ihr umgehen musste. Wie ich es geschafft habe, sie über 3 Zwischenstationen insgesamt über 30 km zu Fuß bis in ihren heutigen Stall zu bringen, frag mich das nicht .. ich musste das schaffen, denn das andere Pferd, das auch zu mir kam, ist noch wilder.

    Ich wollte nie ein wildes Pferd haben, ich bin doch eine kleine dicke eher feige alte Frau. Aber als Chiwa zu sterben drohte, gab es Reno … immer mein Liebling unter allen Pferden gewesen. Reno der Clown, Reno der Tänzer unter der Sonne, Reno der Technikfreak, der jede Stalltür auf kriegte, die nicht mit einem Vorhängeschloss gesichert war und der mir sogar versucht hat zu helfen, wenn ich neue Zäune baute und die Eindrher richtig herum an die Pfähle hielt .. der mir so manche Schubkarre mit Mist umgekippt hat, weil er mir helfen wollte, sie zum Misthaufen zu schieben .. ihm fehlte leider dazu mir der zweite Kopf .. lach.

    Reno wäre allein gewesen, wenn Chiwa damals gestorben wäre .. und so rief ich seine Züchterin an, und die brachte mir dieses Warmblut, das ihr Mann gerate schlachten lassen wollte. Der Schlachter war schon auf dem Weg.

    Als sie begann, Kontakt mit mir aufzunehmen, nachdem sie tagelang immer nur im Kreis an meinen Zäunen entlang gerannt war und sich nicht einmal anfassen ließ, blieb mir fast das Herz stehen. Ich äppelte die Weide ab und da kam dieses Pferd mit mindestens 50 kmh angelaufen, bremste Millimeter vor mir, sprang dann in die Luft und stieß dabei einen wilden Schrei aus .. und dann rannte sie durch meinen Auenwald, um erneut zu mir zurück zu kommen. Sie wollte mit mir spielen, Nicole, das begriff ich dann.

    Weder ich noch mein Mann, der lange nicht so feige ich wie ich, werden dieses wilde Wesen jemals reiten können.

    Aber trotzdem gibt sie uns was, was ganz anderes als es mein dickes gemütliches Kaltblut tat, das man mir weg genommen hat und von dem heute genauso wie vom Reno auch meine Tochter nicht mehr weiß, wie es ihm geht.

    Denn sie hat beide verkauft und genau wie ich befürchtet hatte, sind beide Käuferinnen mit den Tieren binnen kürzester Zeit vom Hof verschwunden, und das im Streit.

    Ich denke oft, wie schrecklich das alles ist und ich bete oft, dass ich die beiden irgendwie, irgendwann doch noch wiedersehe … so wie in dem Märchen von Black Beauty, wo er ganz alt doch noch heim findet.

    Aber jetzt bin ich für ein wildes Warmblut da, das viel zu viel Temperament hat und für ein kleines viel zu freches Pony, das auch viel zu viel Temperament hat und eigentlich eine Mounted Games Reiterin verdient hätte, aber beide brauchen jemand, der die Verantwortung für sie übernimmt und irgendwie ihr Leben regelt.

    So ist das bei Dir und Deinem schwarzen neuen Hund eben auch.

    Wir sollen an den Aufgaben wachsen .. irgendein Gott oder was immer es ist, will das so, Nicole.

    LG
    Renate

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  2. Naja, Joker macht mir weder Angst noch bin ich in irgendeiner Weise mit ihm überfordert noch sonst irgendwas, das gegen ihn gesprochen hätte, ich bin halt einfach so ne Podi- und Mixe-Type und seit Jacko auch auf Huskys und -Mixe geeicht. Die Herausforderungen sind erfahrungsgemäß viel größer. Also nicht falsch verstehen, ich wollte den Racker schon, das war ein dickes spontanes Ja, nur hat er in verschiedenen Dingen einfach dem entsprochen, was ich so als „Plan“ im Kopp hatte.

    Heute hat er mir beim Streichen geholfen – da ich ihm ja den Pinsel und die Rolle als Sammelzeuch verwehrt habe, hat er sich direkt an die Wand gelegt, damit ja nichts auf den Boden tropft … oder so … Hätte ich ihm zumindest das Fell vorher eingepinselt, wäre der untere Teil jetzt immerhin ein wenig gesprenkelt 😉

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  3. Das ist gut .. dann hättest Du vorübergehend einen Schecken gehabt. Ich habe Dich schon verstanden, dass dieser schwarze Hund eben eigentlich nicht spanisch oder südländisch genug für Dich war. Dass er Dir Angst einjagt, auf die Idee bin ich eigentlich nicht gekommen.

    Bei unserem Warmblut war es früher eigentlich auch die Rasse, die ich nie als Pferd haben wollte … weil das die Pferde sind, die sich diese oft so spinnerten und spießigen Spring- und Dressurreiter halten.

    Meine ganze Familie hatte deshalb immer mehr ein Faible für Zigeunerpferde und dergleichen.

    Mein Traum wäre ein Irish Tinker gewesen … das sind gescheckte Kaltblutpferde.

    So wild wie unser Warmblut sind diese Pferde nun nicht immer, sondern das ist eben der Grund, warum sie sich trotz der roten Papiere (Ihre Verwandtschaft ist ja oberedel mit zig Weltmeistertiteln und Olympiasiegen und sonstwas dazwischen) einfach nicht hat verkaufen lassen und als sie die letzte Käuferin dann lebensgefährlich verletzt hatte, wollte ihr Herrchen sie deshalb töten lassen .. und just in dieser Sekunde, wo er den Schlachter bestellt hatte, rief dann ich an und fragte nach einem Beistellpferd für Reno und Frauchen hat spontan reagiert und mich gefragt, ob ich auch ein „etwas sensibles“ Warmblut aufnehmen würde, auf dem man nicht reiten kann.

    Ich fand unsere Fledermaus übrigens auch damals toll .. dieses edle Aussehen, ihre langen Füße, die lange Nase, die großen Ohren und ihre ganze Art, die ganz anders war als z. B. jetzt bei unserem Jack Russel, der von zurückhaltend echt meilenweit weg ist.

    LG
    Renate

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  4. Dass ich gegen einen vierbeinigen heißblütigen Araber nichts einzuwenden hätte, ist ja kein Geheimnis 😉 Nu wohne ich fast nebendran und prompt hatte der tänzelnde Holsteiner mit dem Arabertemperament einen neuen Besitzer gefunden *schnief*

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    • Wenn Du mal viel Zeit hast, musst Du mich mal besuchen kommen .. noch ist sie 18, was Du ihr nicht anmerkst .. gestern war sie rossig und die beiden Männchen, die neben uns den Auslauf haben, waren ausgeritten … sie hat sich wieder aufgeregt .. Pony hat das ausgenutzt und auf der Streuobstwiese, wo unsere zwei zur Zeit abends immer eine Stunde grasen dürfen, dann die meisten Äpfel alleine gefressen, weil ihre große Freundin wiehernd hin und her rannte, weil Dante und Aron nicht da waren … das wäre dann sicher für Dich ein schöner Anblick gewesen ,, ich habe dann immer eher Schiss, sie geht übern Zaun und rennt womöglich auf die B 76, die ganz nah dran ist. Bodenarbeit mit unseren zwei würde Dir vermutlich genauso viel Spaß machen wie uns .. bevor die Kleine ihren vorletzten Hufreheschub hatte … hatte im Stall davor ja zwei Stück innerhalb von nur nem halben Jahr, bis wir endlich den neuen Stall fanden, wo es die Gefahr von Schimmel und Sumpfschachtelhlm im Futter und nem total bekloppten Stallbetreiber, der heimlich fremde Pferde mit kiloweise von selenhaltigen Pellets füttert. … Davor hatten wir angefangen, was mit Musik einzuüben, habe mir ein Stück in einer Tecno-Version von Fluch der Karibik runter geladen … nennt sich irgendwie soweit ich mich entsinne Black Pearl Jump Style .. also richtig schnell … im gestreckten Galopp beide um uns rum immer Figuren rennen, hat Spaß gemacht. Ich denke mal, dass wir im Frühling damit weitermachen können, weil die Kleine dann wieder soweit ist mitzulaufen .. die darf noch nicht, das Hufbein könnte noch runter kommen, sagt unser Schmied. Die hat im Prinzip nämlich genauso viel Dampf und ist ehrgeizig ohne Ende, läßt die Große normalerweise bei der Bodenarbeit nicht an sich vorbei, obwohl die viel längere Beine hat. … Die können leichtere Menschen als ich .. also mein Mann z. B. .. übrigens sogar reiten, ist unterm Sattel genauso ehrgeizig. Sie werden nur beide inzwischen halt auch alt .. Chiwa ist 21, Prima 18 geworden. LG Renate

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  5. Jeder Hund ist etwas besonderes , aber es gibt Hunde zu denen man eine sehr aussergewöhnliche andere Beziehung hatte. Ich hatte auch mal einen solchen Hund . Ich kann dich voll und ganz verstehen ! Liebe Grüsse Anja

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  6. @Diva – danke für deine Worte … ja, es ist ein Geschenk, einmal so einen Hund an seiner Seite haben zu dürfen … 😉

    Renate, ich weiß nicht warum, aber „mein“ Feuerblut ist wieder dahaaaaa!!! Nu kann ich ihn wieder jeden Tag besuchen und mir meine Ärmel anknabbern lassen *freu*

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  7. Du so in der Art mit Bestaunen übern Zaun habe ich auch mal angefangen, Leidenschaft für Pferde zu entwickeln … ich hatte aber immer irgendwie Schiss vor den großen Viechern, aber als die dann bei uns im Garten standen, bin ich ihnen mit der Zeit immer näher gekommen und habe auch viel von der Angst verloren .. aber nicht alles, bin halt eher son verwöhntes Einzelkind und ein ziemlicher Feigling. Aber ohne Pferde wäre ich das sicher noch viel mehr, die haben mir viel Mut beigebracht im Laufe der Jahre. … Wer weiß, vielleicht finde Dich ja wie mich auch nochmal eins. Ich habe in Bayern eine Rehe-Freundin, deren Pferd damals nicht überlebt hat . wir schreiben uns heute noch, sie hat jetzt vier gesunde Shettys und fährt die mit ner kleinen Kutsche … sie hat damals zu mir gesagt, Renate jedes Pferd findet sein Frauchen, und Prima fand Dich .. Nicole wer weiß, welches vielleicht mal Dich findet. .. Aber ich hätte mir früher nie träumen lassen, dass mich mal ein Pferd findet, das man mit den Filmviechern wie Ostwind oder Blitz vergleichen könnte … so viel Temperament und das mir. .. Viel Spaß mit dem Temperamentsbündel, der Dich immer anknabbert .. dann mag er Dich. 🙂 LG Renate

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  8. @Renate: „Mein“ Feuerblut ist endgültig verkauft, wird zum 30. aufs Festland verschifft …

    MENNO! Ist aber eine gute, erfahrene Freundin von dort, wo er jetzt steht und rennt, also in besten Händen.

    Trotzdem, wech isser dann.

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