Eine Begegnung mit Rudlern

Bild042So nennen sich einige praktizierende Anhänger der Rudelstellungen – sie sind Rudler und rudeln.

Klingt ja fast etwas unanständig, aber egal. Mir war es unbegreiflich, diese Begegnung, obwohl es ja immer mal wieder merkwürdige Erlebnisse im Zusammentreffen mit anderen Hunden beziehungsweise deren Menschen gibt.

Im Nachhinein bin ich froh, dass ich ein Inseldummchen bin und Vieles einfach an mir vorüberzieht. So konnte ich mich nur wundern, den Kopf schütteln und weitergehen. Erst jetzt verstehe ich, jetzt, nach einem Artikel von Thomas Riepe zur Nicht-Existenz von Hunderudeln, der mich zunächst wundern ließ, warum er ihn überhaupt schrieb. So nach und nach stieß ich – eigentlich rein zufällig – auf weitere Artikel, aus vielen Puzzleteilen entstand schließlich ein Bild, das mich zunächt belustigt auf meinem Denkersessel zurückließ.

Auf diesem kam mir schließlich die Erleuchtung: Diese Begegnung mit einem Golden Retriever und seinen beiden Menschen passt genau ins Schema. Ich verstand plötzlich, dass sie auf dem Weg Richtung Strand nicht nach einem Ruder fragten, sondern sich als Rudler bezeichneten. Ich verstand außerdem, dass sie nicht kauderwelschig zwei Ruder wollten, sondern die Zwei Bestandteil der Rudelstellung ihres Hundes war, den sie lautstark als Angsthund bezeichneten, der nicht mit meinem Racker auch nur im Entferntesten in Kontakt kommen durfte, nicht mal in Sichtkontakt, wegen drohender, die Angst verstärkender Unstruktur. Unstruktur, nicht Ruderkultur.

In der Tat, derartige Wortfetzen erreichten von dem meterweit entfernten Geschrei meine überforderten Ohren, die sie an das noch viel mehr überforderte Hirn weitertrugen. Kopfschüttelnd ging ich einfach in einigem Sicherheitsabstand an Menschen und Hund vorbei, mich noch mal wundernd, weil die da so merkwürdig einrahmend neben einem völlig teilnahmslosen Hund standen.

Aber von vorne: Der Racker und ich machten uns auf zum Strand. Das letzte Stück Weg führt uns über freie, heideartige Marsch. Dort darf er erstmal Rennen, was er regelmäßig auch ausgiebig tut, große Kreise voller Lebenslust zieht er. Etwa 50 Meter vor uns waren eben diese beiden Menschen mit ihrem Goldie, der zwischen ihnen hertrottete. Da ich meinen Racker ja kenne, wusste ich, dass er von den fremden Menschen Abstand halten würde, trotz verlockendem Hund, der ja eigentlich mit ihm rennen und spielen könnte. So war es auch. Wir näherten uns den Fremden, einfach, weil wir schneller waren, in etwa zehn Meter Abstand war die Überholung angedacht.

Diesen Abstand hielt der Racker auch kontinuierlich ein, blieb zwischendurch stehen um das ihm unheimliche Trio zu beobachten, um dann in Sicherheitsabstand weiterzulaufen. Plötzlich ging das Rudergeschrei los. Selten hab ich mich so erschrocken in der ansonsten marschigen Stille. Da der Racker nun erst recht keine Anstalten machte, sich den Merkwürdigkeiten zu nähern sondern ebenfalls erschrocken Schutz bei mir suchte, ging ich halt weiter, an denen vorbei, das Gebrüll nahm nicht ab.

Irgendwann hatte es mir gereicht, ich drehte mich um und meinte nur, dass es ja nu mal gut sei, nix ist passiert, also bitte … Dann ging es los mit der ständigen Zwei und Hunde müssen fernbleiben (war er doch …?!) und Ruderkultur – äh, nein, Rudel-Unstruktur.

Das einzige Wort, das ich verstanden hatte in dem (Un-)Zusammenhang, war Angsthund und wieder irgendwas mit 2 wegen Ruderkultur. Jo, meiner ist auch ne Bangbüx, was kaum zu übersehen war, isjagutjetztundruderhabichauchkeinedabei.

Inzwischen war ich gut 30 Meter vor denen, immer noch schirmten sie ihren 2er Angsthund vor der nicht vorhandenen Ruderkultur ab, während der Racker längst noch weiter vorne abwechselnd den einsamen Strandsand spritzen ließ und durchs Wasser platschte. Immer noch brüllte es hinter mir unverständlichen Kauderwelsch. Der Hund sackte zusehends in sich zusammen und wirkte wie ein hilfloses Häufchen Elend, das am liebsten in einem Mauseloch verschwunden wäre, um dem Gebrüll und Leinengezerre zu entgehen.

„Kontaktverbot“ wehte mir der Wind noch zu, bevor sich die Rudersuchenden Rudler erbost umdrehten und in Reih und Glied den Rückweg antraten. Dummerweise haben wir auf dem Rückweg des Rackers Jagdkumpel besucht, bevor wir an einigen Ferienhäusern vorbei den Heimweg antraten. Gleich im Garten des ersten sah ich einen reglosen, mit gesenktem Kopf stehenden Hund, gleich daneben die merkwürdigen Menschen, die ihn sofort ins Haus brachten – ihn wiederum von zwei Seiten abschirmend und mir nebst meinem angeleinten, glücklich erschöpften Hund böse Blicke zuwerfend. Schließlich, ich hatte das Haus fast passiert, kam der Mann wieder raus und stellte mir eine unverständliche Frage – er wollte was über die Hundestellung des Rackers und sein gelb-schwarzes Halsband wissen.

Spätestens jetzt war ich endgültig überfordert, hab ihm einen Vogel gezeigt und gemacht, dass ich nach Hause komme. Hatte der Racker doch keinerlei Versuch unternommen, seinen 2er-Angsthund zu besteigen, und wenn, wäre die Stellung mit oder ohne Halsband ja wohl klar gewesen. Das Wissen darum ist genetisch veranlagt, wie auch der Hundehaufen oben auf dem Bild mit Jacko und seinen Freundinnen deutlich zeigt.

Ja, nun bin ich schlauer und weiß, dass ein 2er seinen MBH und VLH oder NLH braucht, da er ansonsten nicht glücklich sein kann, und wenn die nicht vorhanden sind, seine Menschen beide „Stellungen“ ersetzen müssen, dass Hundekontakte strikt vermieden werden müssen, um noch schlimmere Folgen für den inzwischen Angsthund zu vermeiden, sofern der andere Hund nicht von der einzig weisen Dame unserer Welt in einer entsprechend passenden Stellung „eingeschätzt“ ist.

Nachdem ich zunächst nicht wirklich wusste, ob ich lachen oder weinen sollte in Anbetracht der geschrienen Ruderwünsche, hat mich im Nachhinein das kalte Entsetzen überkommen. Der arme Hund, der zum Opfer einer Predigerin und deren Anhänger wurde und offensichtlich kein lebenswertes Leben mehr hat. Ich kann das Bild von dieser gebrochen wirkenden, teilnahmslosen, beim vermeintlichen Rudergeschrei seiner Menschen noch mehr in sich zusammensackenden Seele kaum aus meinem Kopf verbannen …

Immerhin – die vermeintliche Ruderei entpuppt sich im Nachhinein als ebenso suspekt wie die Rudlerei. Wer noch im Dunklen rudert und ebenfalls erleuchtet werden möchte, erfährt mehr zu den Hintergründen auf –> Rudelstellung klargestellt und natürlich über good old Google.

11 Antworten zu “Eine Begegnung mit Rudlern

  1. Ist ‚Unstruktur‘ so was aehnliches wie ‚entartet‘? Hoert sich mir alles so nach meiner Lieblingsfarbe an, schon ganz von Beginn an als ich das erste Mal die Frau in der Strickjacke auf dem dem vergilbten Foto der verbraunten Website sah…………

    Susanne Heinitz Brussels, Belgium +32-(0)495-90.61.70 https://twitter.com/SusanneHeinitz

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  2. Ich mag eigentlich braun – Baumrinde, Erde, Schlick, … :-/

    Eben drauf gestoßen:
    http://rudelstellungen.eu/forum/230-stellungsspezifische-fragestellungen-stellungsstaerke-struktur/177098-nlh-schuetzen-fuehlt-sich-fuer-mich-eher-nach-verbieten-an

    Da wird ein Hund von Mai bis September diesen Jahres nach „Einschätzung“ „nur“, weil er als stellungsschwacher angeborener hinterer Leithund (anderswo heißt das Looser, inkl. Schreibfehler) eingestuft wurde und Mensch seiner (neuen) Rolle nicht gerecht wird, von Mai 2014 bis dato nur noch im Haus und 50qm Garten ohne weiteren Auslauf gehalten, weil … AAAARRRRRrrrrrrrgs …

    Schwarz, schwarz, schwarz sind alle meine Kleider *trauergesanganstimm*

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    • Das kann ich mir gar nicht ganz durchlesen. Ich spüre Aggressionen in mir hochkommen, die ich nur schwer beherrschen kann. Was ist mit diesen Hundebesitzern los, die nicht nur ihr Hirn, sondern auch ihre Gefühle abgegeben haben? Ich glaube, hier erschließt sich ein weites Feld für Therapeuten. Nicht nur die Hunde brauchen Hilfe – ihre Menschen noch viel mehr!

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  3. Es geht um Ausgrenzung im Sendungsbewusstsein einer Groessenwahnsinnigen! Beaengstigend nur, dass Viele die Parallelen nicht sehen. Was, wenn morgen so ’ne Pest ueber uns hereinbricht, und unsere unstrukturierten Kinder wegsortieren will???

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  4. Das hört sich nach Stress an … puhhh. Ich glaube, diese „Glaubensrichtung“ ist mir hier in Preetz noch nicht begegnet. Nach den letzten beiden lebensgefährlichen Beißattacken von Nachbarhunden (der Rottweiler und die Deutsche Dogge, die ohne Aufsicht auf unseren Boomi los gingen) haben wir zwar auch nen Angsthund, aber dennoch lassen wir den mit Hunden, die nicht die Absicht haben, ihn tot zu beißen, auch heute noch spielen. Er spielt doch gern, wenn andere Hunde friedlich sind.

    Mir ist übrigens der Name der Autorin eingefallen, über deren wahnwitzige Ideen ich mit 2007 so geärgert habe .. Jan Feddel, die liest auch die Queen .. das ist die mit, man darf dem Hund keine Aufmerksamkeit schenken, damit er rangnieder bleibt .. wo dann die Ex meines Sohnes ihren Hund immer in ein Extra-Zimmer einsperrte, damit der keinen Kontakt zu fremden Menschen kriegen sollte, die ihn womöglich nicht irgnorieren, sondern streicheln und oh wie süß sagen .. Mü ist ein Zwergspitz. Sieht halt süß aus.

    Na ja .. die Guteste nannte sich im Internet mit dem Nick Sublim ..habe das nachgeschlagen, kommt von Sublimierung … kann zwei Dinge bedeuten … niedere Triebe unterdrücken (passt nicht zu meiner Erziehung, weil die Hippie-Generation Triebe wieder zulassen wollte und so hab ich meine Kinder auch erzogen) oder auch, sich aufgrund seiner geistigen Überlegenheit über andere zu stellen .. vielleicht hat ihr ja deswegen die Idee mit dem Hund-Ignorieren, um ihn ganz unten zu halten so gut gefallen. Mir jedenfalls nicht.

    Aber die Rudler bei Euch scheinen ja auch voll daneben zu sein. Gott sei Dank ist das noch nicht zu uns übergesprungen.

    LG
    Renate

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  5. Solche Begegnungen sind mir zum Glück bisher erspart geblieben, obwohl diese Kurse ja zum Teil ganz in der Nähe (Hannover) laufen. Hier hat noch kein Hundebekannter je von RS gehört (nee stimmt gar nicht, RS ist ja auch ein Kürzel in der Internetsprache – das kennen vielleicht doch ein paar 😉 ) Die Rudeltheorie ist bisher auf jeden Fall noch nicht zu uns durchgedrungen.
    Da mir ein WS bei B.E. einfach zu teuer ist und ich auch kein Auto habe, in das ich meine Hunde stundenlang einsprerren kann, habe ich kurzerhand Ayla heute selbst klassifiziert. Sie ist eindeutig ein VCK (rot mit weißen Herzen) – also eine Vorlaute-Chaos-Krawalltüte. Ich habe ihr heute lang und breit erklärt, dass sie nicht verpflichtet ist, Katzen zu jagen oder Wagen mit Anhängern in die Flucht zu bellen. Leider sie wie üblich nicht zugehört, obwohl ich in ganzen Sätzen zu ihr sprach. Sie hält das ganze für ausgemachte Hundek… und ich fürchte, sie hat mal wieder recht ….
    Chewy (BKK = Braver-Kuschel-Köter) blau mit Ufos, hält sich raus und nagt lieber an seinem Knochen.
    In diesem Sinne – einen schönen Sonntagabend für alle Hundefreunde, die ihr Hirn nicht abgeben haben!

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  6. Danke für diesen erheiternden Beitrag zum Thema des unsinnigen Rudelgedönses. Ich hab mir den Bauch halten müssen vor Lachen – obwohl es ein reales Thema ist, das angesichts dessen, wie Hunde von Menschen und in dessem „Auftrag“ von anderen Hunden gefühllos und das Individuum unbeachtend, zwanghaft in angeblich angeborenes Stellungsverhalten hineinkonditioniert werden. „Arbeiten“ nennt man das in Ruderkreisen – was man vielerorts Mobbing unter Hunden nennt……

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