Bewegend authentisch: 7 Tage in Kabul

Heute um 15:30 war es so weit, auf NDR lief der ersehnte Film 7 Tage in Kabul von Ronja von Wurmb-Seibel, Niklas Schenck und einer WG in Kabul. Ich muss vorausschicken, dass ich die Doku auch aus anderen Gründen bewegend fand, als rein inhaltlich – Fernweh, Heimweh, realistische Darstellung, die den Medien so oft fehlt.

Ronja, in Afghanistan als Journalistin tätig, tickt da anders, sie räumt auf mit dem Hype, der faszinierend fantasievolle Bilder vorgaukelt, das tatsächliche Geschehen völlig verschleiernd. Wie oft musste ich mich selbst damit auseinandersetzen während meiner Aufenthalte in Tunesien, ich, die Blondine mit Haare bis übern Po. Da waren zum Einen die westlich okzidental geprägten Vorurteile, was die bösen muslimischen Araber so alles mit mir anstellen würden, zum Anderen völlig verquere Berichterstattungen, als beispielsweise über ein Jahr nach 9-11 auf Djerba ein Anschlag auf eine Synagoge stattfand. Nein, es waren keine Taliban-Sympathisanten und der Terror hatte keinen Einzug in Tunesien erhalten – schlichte Medienlüge.

Ja, in einigen Gebieten Südtunesiens lebten Moslems, Christen, Juden und Atheisten Tür an Tür, ohne sich die Köppe einzuschlagen und auch blonde Frauen wurden respektiert, selbst mitten in der Sahara. Das heißt, sie wurden respektiert, wenn sie sich entsprechend verhielten. Das hat keineswegs bedeutet, dass es eine Kleidervorschrift gab – außer in den 5*-Hotels zum Abendessen: keine kurzen Röcke, keine kurzen Hosen und so.

Mich hat das weniger tangiert, da ich ein Haus gemietet hatte, mit Kamelen und Arabern, also den feurigen Pferden und den Menschen, unterwegs war, statt mit merkwürdig gedankigen Menschen auf Piratenfahrt zu gehen, Angst zu haben, dass ich entführt und gegen Kamele eingetauscht werde oder mich an einer auf dem Markt gekauften Tomate vergiften könnte.

Aber zum Film –> 7 Tage in Kabul: Die Doku ist spürbar authentisch. Sieben Tage begleitet Ronja die Afghan Peace Volunteers. Dabei handelt es sich um junge Männer mit unterschiedlichen religiösen Hintergründen, die in einer WG in Kabul leben und den Krieg abschaffen wollen. Traumtänzer? Kaum, denn mit ihren kleinen verfügbaren Mitteln, die nicht finanzieller Natur sind, bewegen sie etwas. Sie bewegen etwas in den Herzen und sie tun im Kleinen, was sie sich im Ganzen wünschen.

Das alles findet unter bisweilen widrigen Umständen statt, denn ab und zu kommt der Terror aus dem Nichts, wohin er anschließend wieder verschwindet, so dass das Leben wieder weitergehen kann. Angst ist daher ein Begleiter, Mut ist ein Motor.

Ich hätte mir gewünscht, mehr als eine bewegende halbe Stunde mit den Beteiligten zu verbringen, aber dazu müste ich wohl selbst nach Kabul – und wenn schon auf die Reise begeben, würde ich sicher wieder meine Heimat im Herzen – Südtunesien – wählen.

Ronja und allen anderen Beteiligten danke ich für diesen Ausflug, der mir bestätigt, dass nicht alle Journalisten aufmerksamsgeile Tatsachenverdreher sind, dass über allen Menschen die gleiche Sonne scheint, dass die Hoffnung nicht stirbt und meine mehrjährigen, moslemisch angehauchten wüstigen Erinnerungen keine Schöndenkerei, sondern ebenso authentisch sind, wie 7 Tage in Kabul vermittelt.

3 Antworten zu “Bewegend authentisch: 7 Tage in Kabul

  1. Damit es verständlich wird, mal als Nachschlag:

    „Ich haben die schönste Kamel von ganz Afrika. Heißen Claudia Schiffer. Welches Mann träumen nicht davon, einmal Claudia Schiffer reiten.“

    Oder:

    „Was kosten Dich Frau. Ich noch sparen.“

    Oder eine gemütliche Fahrt in einer Pferdekutsche durch einen Kakteenwald. Viele wollten so gerne auf den Dromedaren reiten, konnten aber nicht reiten. Haben dann immer das Gewicht so verlagert, dass die Tiere immer näher an die langen Stacheln ran sind. Beim nächsten Halt in einer Töpferei wurden wir dann gefragt, ob sie nicht tauschen können. Klar ging das. Ich weiß ja, wie man das Gewicht verlagern sollte, damit ein Tier von etwas weg geht, und nicht noch näher ran .. geht auch bei einem Dromedar. Lach.

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