Nangijala: ein reiches Reich …

Die tollsten Tiere sind dort – und inzwischen fast alle Menschen, die mir nahestanden. Gestern hat sich meine Tante auf den Weg begeben … nach meinem Gefährten, nach meiner Oma, nach meinen Hunden, nach meinem Onkel.

Da frage ich mich gelegentlich, was ich hier eigentlich noch mache. Nicht wirklich, aber hier wird es immer ärmer, während Nangijala immer reicher an Leben wird. Ich weiß, das ist relativ und subjektiv. Aber: Wer macht jetzt die Plätzchen, die mich seit meiner Kindheit begleitet haben?

Mit Weihnachten habe ich Urheide ja mal gar nichts zu tun, allenfalls feiere ich Seths Geburtstag oder den einer seiner Pendants. Meinetwegen hätten die Plätzchen auch nicht immer an deren Geburtstag kommen müssen, aber so war es nun mal.

Zuverlässig, seit ich klein war, kam da eine Schachtel bei mir an. Da waren die leckersten Plätzchen drin, die die Erde je gerochen hat. Eben die von meiner Tante. Ich bin kein Süßkram-Esser, aber die habe ich Stück für Stück genossen, immer gut eingeteilt, dass sie bloß nicht so schnell wech sind. Das andere Beste war ihre Mohn-Sahnetorte, die ich Nicht-Süßkram-Esser am Stück verschlungen habe.

Komisch oder, dass genau diese Dinge mir in den Sinn kommen, war sie doch auch ein toller Mensch, sonst würde ich sie nicht als nahestehend bezeichnen. Aber wer zur Hölle übernimmt nun das Plätzchen- und Kuchenerbe? Soll das alles jetzt auch in Nangijala verweilen, für immer hier ausgelöscht?

Ich bin in der „glücklichen“ Position, als Nordlicht alles nur per Nachrichten mitzubekommen. Andere sind immer live dabei. Nur bei meinen Hunden bin ich selbst mittendrin. Lebendig bleiben mir so oder so die Erinnerungen, wie die tobenden Wölfe im Wind, der Weise zwischen den Sternen, die Hortensie draußen und der Ficus drinnen, all die lebendigen Erbschaften.

Wenn ich nun noch an das Plätzchen- und Mohntorte-Rezept komme, feiere ich weiterhin ein unchristliches Weihnachten mit genau dem, was dazu gehört. Ansonsten rühre ich nie wieder Süßkram an, den ich ohnehin nicht mag, und schaue die inzwischen anderweitig befüllten Schachteln und Dosen an, in denen sie ihn immer geschickt hat, den einzigen, den ich mochte.

Riecht ihr auch den verführerischen Duft von den einzigartigen Plätzchen, der aus Nangijala rüberweht?

2 Antworten zu “Nangijala: ein reiches Reich …

  1. Meine mir auch sehr ’nahestehende‘ Grossmutter, Koechin ihres Zeichens hat nie ein einziges Rezept schriftlich benoetigt geschweige denn weitergegeben. Ich stelle fest, dass ich sie dennoch alle irgendwie kann….z.Zt. gerade duftendes Pflaumenmuss aus dem Backofen (!) Bei Dir wird das auch so sein…versuch’s mal:))

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  2. Tja .. es geht einer nach dem anderen, und zurück bleiben nur die Erinnerungen .. ich Fototante werde oft deshalb belächelt, weil ich Menschen und Tiere, die ich liebe, ständig fotografiere .. aber wenn sie einmal gegangen sind, helfen auch solche Dinge, sich an vieles wieder zu erinnern .. ich fotografieren übrigens auch Gräber, denn auch die hat man ja nur 25 Jahre.

    Meine Oma machte ganz leckere Hefewickelkuchen, die immer in einem Fach auf unserem Kohleofen aufgehen mussten. Die kann ich nicht. Dann machte sie Kokosplätzchen, die auch auch nicht wirklich habe hinbekommen können, aber ich backe öfter Kokoskuchen aus einem Rührteig mit Kokosflocken, den ich dann mit Sauerkirschen belege und mit Puderzucker einpinsele, in den ich etwas Saft von dem Sauerkirschen gerührt habe. Der schmeckt so ähnlich und wird von meinen Gästen meistens gern gegessen, wenn ich Kaffeebesuch habe.

    Jürgen kriegt zuweilen Omas „saure Eier“, die es zu Salzkartoffeln gibt. Ich bin sicher, meine Oma hat sie noch anders gemacht als ich, aber mein Rezept hat Ähnlichkeit. Ich mische dazu Öl, Essig und Zucker in einer Pfanne, dann kommen Schinkenwürfel hinein und anschließend hart gekochte Eier in Scheiben.

    Oma kam aus Pommern .. ihr süß-saures Lungenragout könnte ich heute gar nicht mehr nachkochen, weil ich keine Ahnung hätte, wo man bei uns noch Lunge kaufen kann. Früher in Spanien, wenn wir da im Urlaub waren, gab es welche auf dem Markt. Da habe ich das ab und zu noch gekocht. Auch gebratenes Schweinehirn mit Zwiebeln .. das ich immer habe mit meiner Mutter alleine essen müssen, weil mein Mann und die Kinder nicht dabei gingen.

    Tja, so ist das Nicole .. nach und nach gehen so viele, die wir vermissen, und kommen nie mehr zurück.

    LG
    Renate

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