Rackereien: Ich bin sooo sensibel!

Bild0072Meine treuen Leser wissen ja – ich bin ein Mischling. Ein echt gelungener Mischling: Mindestens Australian Shepard, Weißer Schäferhund und Labrador stecken in mir drin. Die Menschin an meiner Seite meint immer, dass ich auch etwas windig bin, so in Richtung Galgo. Das schließt sie einerseits aus meinem Charakter, andererseits aus meiner Figur, meinen Bewegungen und der Beweglichkeit.

Das ist nämlich so: Windige und Podencos haben eine sehr biegsame Wirbelsäule. Die können sie wie ich fast um 180° abknicken. Sie sind dünn, langbeinig und können wie ein Reh mit allen vier Beinen auf einmal losspringen – egal ob in die Höhe oder zur Seite oder zurück oder auch nach vorne, was ihnen eine enorme Startgeschwindigkeit und -kraft gibt. Die ist selbst bei einem kleinen Podenco, Ladys eingeschlossen, etwa 20x so hoch wie die eines Deutschen Schäferhundes. Wahnsinn, oder?

Ja, so bin ich auch. Ganz tief drin habe ich aber das Gemüt eines Labradors, halt das meines Papas. Genauer: das eines Show-Labbys, nicht das einer Arbeitslinie, weil Labrador ist ja nicht gleich Labrador. Trotzdem bin ich ein Arbeitshund, wie Menschen das so nennen, weil ich Beschäftigung mag und gerne knifflige Aufgaben löse. Selbst dann, wenn ich gar nicht gefragt werde. Da schaun die immer alle blöd …

Das mit dem tiefergelegenen Labbigemüt ist auch gut so, in der Psyche hab ich nämlich zunächst mal den Weißen Schäferhund toben, gepaart mit dem Aussi, eventuell halt noch was Windiges dabei. Noch dazu war ich der kleinste Welpe, den keiner haben wollte und der von acht Brüdern, die Mama überfordert, die Familie auch, … ihr wisst schon.

Ich bin halt nicht so vertraulich zutraulich mit allem Fremden, insbesondere Menschen. Wehe denen, die ich kenne, die rackere ich so zum Lachen oder außer Atem oder zum Hinfallen, könnt ihr euch gar nicht vorstellen. Fremde Menschen inklusive Fahrräder, Kinderwagen, Koffer, Regenschirme, Hüte, Mützen, was es halt sonst noch so Unheimliches in diesem Leben gibt, sind aber echt suspekt. Ein Fahrrad hat mich sogar mal geschubst, als ich noch keine zwölf Wochen jung war. Neee, bleibt weg!

Ich bin einfach hypernervös wenn ich in der Ferne nur was sehe, das megahammerwahnsinnsuspekt ist. Manchmal gehen mir dann die Emotionen durch und ich kotze prompt Galle. Einfach so.

Versteht mich nicht falsch, ich bin ein toller Hund! Eigentlich der Beste, klar, näch? Ich bin ein Weichei und Mamakind, aber wenn ich mich wieder eingekriegt habe, also der Labbi nebst den konstruktiven Eigenschaften der anderen Beteiligten durchkommt, das genaue Gegenteil. Der Labbi regiert mein Genie dann halt.

Seit ich pubertiere bin ich noch hyperer. Hyper heißt bei mir: in alle Richtungen, also sowohl Freud als auch Leid als auch undefinierte Unsicherheiten. Dazu riecht das noch überall nach Hündinnen, da werde ich noch hypererer. Die einzige, die mich dann noch erreicht, ist meine Menschin. Die kann damit auch um. Aber ich halt nicht, weil ich dann wieder Galle kotzen muss und Durchfall bekomme und schon riecht das wieder irgendwo so gut und da ist jemand, den ich kenne, und dort rennt ein Jogger, vor dem ich weg will, ich weiß dann gar nicht, wohin mit mir.

Deshalb haben die Menschin und unsere Tierärztin schon vor Monaten gesprochen, dass vielleicht eine Kastration die Überschüssigkeit ein wenig eindämmt. Natürlich würden wir auch weiter üben, dass ich souverän im Alltag klarkomme, aber eben ohne Kotzerei, Durchfall, Willhierdortdahinwegaufnarmwasweißich.

Nun ist es also so weit. Nein, ich werde noch nicht operiert, eigentlich will die Menschin das nämlich gar nicht! Ich bekomme am Donnerstag eine Spritze. Da wird was injiziert, das wirkt sechs Monate. Das ist nach einigen Wochen Hormonturbulenzen so ähnlich wie eine Kastration. Dann sehen wir, ob es hormonell bedingt ist, dass ich so nach allen Richtungen schieße.

Was ihr noch wissen müsst: Wenn ich nicht gerade mit meinem Kumpel oder einer neuen Bekanntschaft tobe, höre ich nicht nur auf jedes Wort, sondern auf den kleinsten Fingerzeig. Für mein Racker-Alter ist das genial, sagt die Menschin, und ich glaube, die meint das auch so. Ich bin da auch total stolz drauf. Ich bin in der Wohnung eigentlich ein Bettvorleger, weil da kann ich den ganzen Stress von unterwegs verarbeiten, sogar, wenn fremde Menschen da sind oder wir mal woanders sind.

Irgendwoher muss ja aber meine Hyperei draußen kommen, die ich nicht unterdrücken kann, obwohl ich dagegen ankämpfe. Die Schilddrüse ist nicht Schuld, das wurde schon untersucht. Ich bin bis auf nervöse Magenbeschwerden, die sich in zwei Ausgängen äußern, auch bis auf einen Zwingerhusten als Welpe, der aber harmlos verlief, noch nie krank gewesen, also eigentlich ein robuster Racker mit genialer Konstitution.

Nu versuchen wir das halt mit der komischen Spritze und werden sehen, ob sich was ändert. Wenn nicht, greift der noch unbekannte Plan B, den wir sicher ganz schnell entdecken, wenn wir weiter auf Spurensuche gehen. Wenn ja, werde ich im Winter operiert.

Erst mal kommt aber am Donnerstag die Tierärztin zu mir, die besucht mich echt zu Hause – in meinem tollen großen neuen zu Hause. Was bin ich stolz! Ja, stolz bin ich auch. Ich habe halt viele, viele, viele Facetten in meiner Seele, bunter als ein Regenbogen. Deshalb bin ich auch so besonders – ein Joker …

15 Antworten zu “Rackereien: Ich bin sooo sensibel!

  1. Hi Joker, ey, das kenn ich mit der Spritze. Meine Menschin hat das auch mal mit mir gemacht. Da hatte ich eine toll duftende Hündin kennengelernt und dann was gemacht, was deren Menschen nicht gefallen hat. Paar Wochen später hatte die dann so ein kleines Wauwauchen, meine Menschin sagte, das sei meine Tochter.
    Naja, jedenfalls hat sie überlegt, ob sie mich kastrieren lässt, damit sowas nicht noch mal passiert. Die Spritze war doof aber nicht schlimm. Aber ich war danach lange lange Zeit immer müde, hatte keinen Bock zum Spielen und Spazierengehen. Menschin nannte mich Schlaftablette. Deswegen habe ich keine zweite Spritze bekommen und kastriert hat sie mich auch nicht. Sie passt jetzt nur besser auf und vertraut nicht auf andere Hundebesitzer, die sagen, die Läufigkeit sei vorbei.
    Vielleicht hilft dir die Spritze ja besser. Immerzu kotzen ist doof. Ich kriege dann nen Tag lang nix zu fressen und das find ich voll blöd.
    Halt die Ohren steif, Kumpel! Viele Grüße Dein Chewy!

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    • Hey Chewy,

      du hast recht, die Spritze war nicht schlimm, obwohl ich erst echt dachte, jetzt massakrieren die mich …

      Mal sehen, was nun passiert, wenn der Hormonschub vorbei ist – den muss die Menschin jetzt verkraften, hat sie davon. Eine Schlaftablette mag ich jedenfalls nicht werden!

      Bei mir nutzt das nix mit nichts zu Fressen kriegen, weil ich kotz einfach nur aus Stress pure Galle. Wenn das aufhören würde, wäre ich schon froh. Naja, ich halte dich auf dem Laufenden.

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      • Hej Joker,
        ich drück die Pfote, dass dir jetzt nicht mehr dauernd zum Kotzen ist vor Stress. Meine Kumpeline, die Ayla, die macht das auch manchmal wenn die gestresst ist – und die ist oft gestresst, das kann ich dir bellen!
        Als alter Herr von 10 Jahren sag ich dir: es kann nur besser werden. Wenn du die doofe Pubertät überstanden hast und nicht mehr so viel lernen musst, hast du nicht mehr so viel Stress. Und in dem Paradies, wo du jetzt wohnst, gibts ja bestimmt auch nicht mehr so viele doofe Radfahrer, die einen armen Hund überfahren wollen ….
        Also Ohren und Rute hoch! Lass mal wieder von dir hören!

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  2. Nicht gleich zu kastrieren, sondern das mal so zu testen, ist eine gute Idee. Sir Henry Edward II gehörte meiner Kleinen und dem richtigen Papa von meinen Enkel von ihr. Er war ein Mix aus Dalmatiner und Bordercollie und leider auch mega-hibbelig. Der Tierarzt hat zur Kastration geraten. Also es hat sich dadurch gar nichts bei Edi geändert, er war danach in keiner Weise ruhiger und seine Rammelsucht (damals hatte ich noch Chérie und meine MUtter auch eine Hündin und meine Große sogar zwei Hündinnen) wurde nichtmal ein winziges bisschen weniger.

    Ich glaube, son bisschen ist jeder Hund halt wie er nunmal ist und nur an den Hormonen liegt das nicht, da speien viele andere Faktoren rein.

    Unser Boomer ist auch kastriert .. ja aus dem Tierheim .. also der kann ganz normal decken, tut er auch, wenn sich die Gelegenheit bietet .. einziger Unterschied, er ist nicht mehr zeugungsfähig.

    LG
    Renate

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  3. Ich hoffe dass Sie Ihren Hund auch stetig anleinen und zur Seite nehmen, falls Kinder vorbeikommen, nicht dass er noch vor lauter „hypernervosität“ eines der Kinder beisst und diesem damit physischen schaden zufügt.

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    • Kinder anleinen? Das kann doch wohl nicht Ihr ernst sein. Also stimmt der Zusammenhang zwischen Hundehaltung und Kindesmissbrauch anscheinend doch, sehr traurig dass Sie ein solches Bild von Hunderhaltern noch unterstreichen.

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  4. Also wer sich Hundefreiesdeutschland nennt, scheint nicht unbedingt zu den Hundefreunden zu gehören. Mal eine Bemerkung von einer Frau, die seit ihrem 10. Lebensjahr immer mindestens einen Hund hatte – darunter auch zwei nicht friedliche Dackel, die ich habe immer anleinen müssen und nicht geschafft, sie anständig zu erziehen – ebenfalls vier Kinder groß gezogen hat und von denen bis dato mit vier Enkelkindern beglückt wurde. – Meine Kinder haben alle genauso wie ich Hunde immer geliebt, auch meine Enkelkinder tun das. Ich glaube, die Hunde haben viel Freunde ins Leben meiner Kinder und Enkel gebracht, nicht nur in mein Leben.

    Noch heute erfreut unser Hund im Alter nicht nur meinen Mann und mich, sondern viele Freunde, Nachbarn oder unsere Familie, wenn sie zu Besuch kommen, obwohl er als Jack Russel Terrier zu den sehr temperamentvollen Hunden gehört.

    Denken Sie jetzt nicht, ich wäre der Ansicht, dass ein Hund grundsätzlich nicht angeleint werden sollte. Ich habe gerade erst vor 14 Tagen erlebt, dass sich eine sehr bissige Deutsche Dogge auf unseren Jack Russel Terrier stürzte und versuchte, unseren Hund zu töten. Bin instinktiv dazwischen gegangen und habe dem Tier so das Leben retten können, denn sein Herrchen war weit fort und kam erst später. Ich fiel dabei hin und habe mich verletzt und konnte auch über das Ordnungsamt den Hundehalter bis jetzt nicht ausmachen, damit ihm jemand die Auflage erteilt, seinen Hund besser zu beaufsichtigen.

    Ich finde es auch schlimm, wenn manche Menschen denken, sie müssten auf ihre Hunde nicht aufpassen.

    Ich finde aber trotzdem, dass gerade Hunde das Leben vieler Menschen in Deutschland bereichern und doch die meisten Menschen schon in der Lage sind, den Charakter ihrer Vierbeiner richtig einzuschätzen, sie zu erziehen und auch aufpassen.

    Deshalb denke ich, ein hundefreies Deutschland wäre ein sehr armes Land, sollte sich so eine Denkweise durchsetzen.

    LG
    Renate

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  5. Na so sinngemäß, wenn er denn eine Hundeseite hat, könnte er doch über Hunde statt nur Negatives auch mal was Erfreuliches berichten, wie beispielsweise, dass Hunde Millionen von Menschen sehr viel Freude machen würden und nicht nur das, denn es sei sogar statistisch belegt, dass Menschen, die einen Hund halten, älter werden als andere .. Hundehaltung also sehr positiv für die Gesundheit sei. 🙂

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  6. Hast du recht. Ganz zu schweigen von all den Hunden, die ein menschenwürdiges, gesellschaftsfähiges Leben erst mit ihrer unermüdlichen 24-h-Unterstützung ermöglichen und denen, die täglich Leben retten …

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  7. @hundefreiesdeutschland – Da ich mit ähnlichen Antworten gerechnet habe, muss ich nun nicht mehr laut lachen und popel weiter mit ernst, Sinn und Verstand, bis mein höllischer geistesgestörter Hund gleich die nächsten Kinder zerfleischt.

    Ich wünsche noch ein schönes Leben.

    Amen.

    (Zusammenhang zwischen Hundehaltung und Kindesmissbrauch – wie geil ist das denn?)

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