Rackereien: Groß bin ich schon lange, jetzt werde ich erwachsen

Bild0045Ich war gerade mal 6 1/2 Wochen, als ich von meiner Mutter und meinen acht rackrigen Brüdern getrennt wurde. Mich wollte keiner haben, weil ich nicht so bunt gescheckt und aktiv war wie die. Dann aber wurde ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf den Arm genommen und es ging auf große Fahrt, die mit viel Kotzerei verbunden war. Die haben wirgendwas erzählt, dass es blöd ist, so früh von der Mama und den wilden Brüdern weg zu müssen. Da konnte ich nur zustimmen! Sie sagten aber auch, dass es so das Beste sei und da ja eine liebe Hündin und eine Menschin sind, die sich um mich kümmern. Was sollte ich also tun, außer weiter kotzen?

Sie hatten mich nicht belogen. Als wir endlich angekommen waren und ich ein paar Schritte trippeln durfte, war da eine Hündin mit Fledermausohren, in die ich am liebsten sofort reinzezwickt hätte. Sie kam mit einer Menschin, der ich in den Arm gegeben wurde, und ich hatte gar keine Angst mehr.

Sie hat mich neben sich auf das Bett gesetzt, ich habe sie angeschaut, ihr vertraut, geseufzt, mich zusammengerollt und … da kam auf einmal die Fledermaushündin und hat sich neben mich gelegt. Ich habe noch mal geseufzt, mich an sie gekuschelt und geschlafen. In die verlockenden Ohren habe ich sie erst gezwickt, als ich wieder wach wurde. Da hat sie tatsächlich mit mir gespielt, obwohl ich sie geärgert habe. Nun wusste ich endgültig: Ich bin zu Hause.

Bild0049Es roch gut, dort, wo ich war. Es roch nach einem anderen Hund, dem ich vertraute. Als ich ihn schnupperte, weinte die Menschin plötzlich und ich habe sie getröstet. Alle, alle, alle Tränen habe ich ihr abgeleckt! Das muss ihr gefallen haben, denn sie weinte noch mehr. Diesmal rochen die Tränen aber anders, nicht so bitter, da waren Endorphine drin. Da haben die Tränen noch besser geschmeckt!

Ich hatte eine tolle Zeit mit der Fledermaus und der Menschin – bis die Fledermaus auf einmal weg war. Da war ich aber schon 13 Wochen und groß genug, um mit der Welt zurecht zu kommen, außerdem hat sich die Menschin trotzdem um mich gekümmert.

Foto0172So bin ich also zufrieden ganz groß geworden. Wie ich dachte, auch erwachsen, bin ja schließlich ein Racker und Pirat! Obwohl, eigentlich war ich mit zehn Wochen schon groß und erwachsen. Ja, so war das.

Die Menschin nennt mich immer Joker und meint, ich wäre auch einer. Wahrscheinlich hat sie recht, wie so oft, wie ich zu meiner Schande gestehen muss. Immer, wenn ich ihr zu erklären oder zeigen versuche, wie das Hundeleben funktioniert, geht irgendwas schief und sie rettet mich oder die Situation wieder.

Bild0109Trotzdem dachte ich, ich bin erwachsen und das Leben ist toll. Dann hatte ich auf einmal kein zu Hause mehr und war wieder ganz klein. Da habe ich mich aber auch geirrt: Wir haben jetzt ein anderes zu Hause, in dem ich mich frei bewegen kann. Erst habe ich ihr ja am Bein geklebt weil ich so unsicher war. Jetzt lasse ich sie einfach gehen, wohin sie will, ist schließlich mein zu Hause, Hauptsache, sie schafft mich nicht wieder da weg.

Ich laufe jetzt ganz alleine die Treppe hoch und runter, von hier nach da nach dort, wie ich grad Lust habe. Sie klebt mir auch nicht am Bein. Manchmal besuchen wir meinen Kumpel, manchmal gehen wir nur so durch die Gegend. Einmal musste ich ihr sogar den Heimweg zeigen, weil sie nur mit den Augen schaut und nicht mit der Nase und überall ringsrum war kilometerweit nur Marsch. Was würde sie nur ohne mich machen?

Foto0222Jetzt weiß ich, dass ich gerade erwachsen werde – und soll ich euch was verraten: Ich bin stolz drauf! Sie kann sich nämlich dann auf mich verlassen, die die gar keinen Welpen wollte, sich aber trotzdem für mich entschieden hat, weil ich ein Joker bin und das Schicksal uns zusammengeführt hat.

Jawoll. Bald kann ich anderen Hunden die Welt erklären … und zwischendurch, wenn ich Lust habe, bin ich einfach weiter ein Racker und Pirat.

Eine Antwort zu “Rackereien: Groß bin ich schon lange, jetzt werde ich erwachsen

  1. Jürgen hat auch gerade mitgelesen und sich neben Deinem Racker auch die Fliedermaus angeschaut, von der ich ihm schön öfter erzählt habe.
    Gestern hat unser Boomer gelernt, dass sein Frauchen ein vollwertiges Rudelmitglied sein kann, obwohl es alt und zu dick und halb blind und dreiviertel taub ist. Sie hat ihm nämlich das Leben gerettet, einfach so, ohne zu denken, was ihr selbst dabei hätte passieren können, als plötzlich eine Deutsche Dogge kam und ihn schon im Maul hatte und abschüttelte. Boomer weiß nicht, wie Frauchen es geschafft hat, das Halsband der Dogge zu erwischen, aber sie hat nicht mehr los gelassen, auch als die Dogge sie auf den Boden gerissen hat. So konnte Herrchen den Boomer schnappen und in Sicherheit bringen.
    Eigentlich wollte Boomer zurück und trotz der Gefahr die Dogge angreifen, denn er hatte Angst um sein Frauchen, das noch an der Dogge hing und ja am Boden lag. Er wäre wohl für sein Frauchen auch in den Tod gegangen, denn das wäre sein sicherer Tod gewesen.
    Nun hat er nur ein paar Beulen und Frauchen hat wieder lange am Computer getippt und von seinen schrecklichen Erlebnis erzählt und dem Ordnungsamt geschrieben, dass sie den Mann suchen sollen, der diese Deutsche Dogge hat, damit sie sowas nie wieder machen kann.

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