Textbörse oder Supermarkt?

IMG_1286Von Supermärkten und Discountern kenne ich das: Für Schnäppchen und Sonderangebote wird Werbung gemacht. Auftraggeber machen bei Textbörsen, je nach geforderter Qualitätsstufe oder beauftragtem Autor, bisweilen auch Schnäppchen. Dass Textbörsen damit aktiv werben, ist geschäftspolitisch nachvollziehbar, selbst, wenn sich niemand mit „hier gibt’s billig“ anfreunden muss. Es gibt schließlich genug Schafe Autoren, die sich um die Billigschreiberei reißen. Das ist keinesfalls wertend gemeint, sondern einfach eine Feststellung.

Generell praktisch an einer Textbörse ist ja unter anderem: Autor möchte arbeiten, also klickt er in die verfügbaren Aufträge und sucht sich etwas Schreibbares oder Unschreibbares raus.

Nun kommt es vor, dass es Aufträge gibt, die einfach vor sich hindümpeln. Niemand will sie schreiben. Warum? Das würde ich mich in der Position eines Betreibers fragen. Autoren benötigen ein klares Briefing und erfüllbare Anforderungen, die im Rahmen eines einigermaßen adäquaten Preis-Leistungs-Verhältnisses liegen. Ist das nicht gegeben, bleiben Aufträge, insbesondere in den höheren Qualitätsstufen, eben gelegentlich liegen.

Nun kommt es ebenfalls vor, dass eine Textbörse bei den Autoren Werbung für die vielen offenen Aufträge macht. Meine Gedanken geraten ins Stocken: Möchte ich etwas schreiben, klicke ich mich durch. Finde ich etwas, nehme ich den Auftrag an. Andernfalls lasse ich es bleiben. Ich habe weder „debil“ noch „senil“ auf der Stirn stehen, nein, ich weiß, wie das System funktioniert. Ich klicke, sehe auf einen Blick die Anzahl verfügbarer Aufträge und in welchen Bereichen es sie gibt, nach wenigen weiteren Klicks weiß ich, ob ich davon etwas schreiben möchte.

Jetzt bekomme ich also, wie auch viele Kollegen, wiederholt Werbung mit Informationen, wie und wo ich Aufträge zu bestimmten Bereichen finde, sogar noch mit verschiedenen Themenbeispielen. Bestenfalls sind noch frohe Arbeitswünsche zum Wochenende enthalten, kurz, bevor sich der Werbeverfasser in eben dieses wohlverdiente verabschiedet. Da widme ich mich besten Gewissens meinem unbezahlten Blog, gehe mit dem Hund raus oder arbeite tatsächlich, aber sicher keine uninteressanten Leichen ab.

Davon abgesehen, dass ich mir ungerne unbekannterweise einen Dau-Stempel aufdrücken lasse, verstehe ich einfach die Intention dahinter nicht. Wer schreiben will oder muss, klickt, wer nicht, tut es auch nach dem Erhalt der Werbung nicht – und wird triftige Gründe dafür haben.

Außerdem wird mit (erfolgreicher) Werbung eigentlich immer auch ein Vorteil suggeriert. Auftraggeber haben den ganz klar, sofern – siehe oben. Warum werden Autoren, deren Anzahl sich im fünfstelligen (?) Bereich bewegt, zum Schreiben angeworben, was sie ohnehin tun, wenn …, ohne, dass sie einen Vorteil davon hätten?

Warum nicht zur Abwechslung zunächst Ursachenforschung betreiben, wenn da viele Aufträge sind, die „zu langsam“ weggeschrieben werden? Zumindest aber dürfte die Werbung gerne einen finanziellen Anreiz enthalten, wie es in der Verkaufsbranche üblich ist, um nicht den Autoren einen faden BeiGeschmack von Faulheit oder Doofheit zu vermitteln.

Freie, des Denkens und Rechnens fähige Menschen (zu dieser Sparte zählen durchaus zahlreiche Autoren) wissen, wie es geht, und entscheiden ganz selbst alleine eigenständig, wann sie etwas nutzen oder tun. Lassen sie es bleiben, setzt das eindeutige, aufschlussreiche und verwertbare Signale, die nicht mit überflüssigen Werbemaßnahmen abgeschaltet werden. Einen Leithammel, der seinen Schafen Autoren ohne jeglichen Anreiz „Texte im Ausverkauf zu schreiben“ anpreist, brauchen sie jedenfalls nicht. Nur meine bescheidene Meinung.

Liebe Auftraggeber – wie erwähnt, möchte ich mit diesem Beitrag keinem Autor und Texter zu nahe treten, ebensowenig Ihnen auf den Schlips. Die Kritik richtet sich gegen mir unverständliche Geschäftspraktiken, die ich nicht bereit bin, zu unterstützen. Nach wie vor nehme ich – neben vielen anderen qualifizierten Autoren – gerne weiterhin Ihre Aufträge an: –> Hier klicken und selbst überzeugen.

6 Antworten zu “Textbörse oder Supermarkt?

  1. Ich denke dabei gerade an Lampen mit kyrillischer Beschreibung und einem Briefing, das recht expolizit erwartete, daraus einen ganz tollen Text zu machen und darunter einen Auftrag, wo dann auch noch das Bild der Lampe fehlte .. was schreibt man bei einer Beschreibung auf russisch über etwas, das man nicht sieht, wenn man gar kein Russisch kann .. die restlichen dieser guten Stücke lagen auch recht lange .. kein Wunder … ich hatte zwei davon, eins mit .. ging ja noch .. eins ohne Bild.(hatte vermutet, da wäre auch eins bei und mal leichtsinnig angenommen) LG Renate

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  2. Bei einer anderen Textbörse, bei der ich mich spaßeshalber mal angemeldet hatte, war es noch krasser. Dort kam die Tage ein Rundschreiben des Inhalts, dass einige Aufträge schon zu lange lägen. Bis diese bearbeitet seien, würden alle anderen – vermutlich aktuelleren – Aufträge blockiert.
    Ich habe jetzt nicht in die Briefings geschaut, weil ich da eh nichts schreibe, aber das finde ich schon reichlich unverschämt. Da scheint auch keiner mal zu gucken, warum diese Aufträge liegen bleiben und ob viellecht mal was am Briefing geändert werden müsste. Stattdessen werden die Autoren wie unfolgsame Kinder behandelt, die erst Nachtisch bekommen, wenn sie den Teller mit Spinat (ersatzweise Rosenkohl oder Leber) leer gegessen haben.
    *kopfschüttel*

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  3. Also das ist mir bisher in beiden Textportalen, wo ich bisher immer schreibe, noch nicht passiert. Ich kenne nur von dem einen, dass die manchmal Boni vergeben, wenn alte Aufträge schnell weg getippt werden, man kriegt dann etwas mehr Geld, wenn man wegtippen hilft Was mich bei dem mal geärgert hat war .. da kriegten wir ne mail, es gibt Boni .. aber das galt dann nur für alle Autoren ab Stufe 4 … da hätten sie sich zumindest diese mail echt sparen können, man ist dann doch enttäuscht, wenn man gar nicht mitverdienen kann. Sonst vorher war es dort immer anders und allle durften mithelfen. … wir haben gerade die Freischaltes für ein ganz neues Portal bekommen … aber da war jetzt gar nichts los … ein einziger Auftrag, eine Stufe höher als wir uns eingetragen hatten .. man kann da einfach sagen, wie hoch man eingestuft werden möchte … und der liegt da schon seit Stunden rum und keiner schreibt ihn, aber ich kann es ja nicht, bin ja eins tiefer .. sonst gähnende Leere. Bei den anderen beiden Portalen geht es gerade ein Mini-Stück aufwärts. Das Neue werde ich mal kritisch beäugen .. ist ja Wochenende, vielleicht geht es dort ja Anfang der Woche wieder los. LG Renate

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  4. Hat dies auf Wortzaubereien und Allerlei rebloggt und kommentierte:

    Es ist kaum zu glauben, aber eine Textbörse propagiert den Supermarkt tatsächlich an den Autoren vorbei: Dem Auftraggeber wird ausdrücklich empfohlen, bei Kladden, die er in der Auftragsbeschreibung mit einreicht, nur die Hälfte der Wortzahl anzugeben und somit zu bezahlen. Krieg ich also einen Auftrag, in dem 500 W. verlangt sind, soll der Auftraggeber auf Empfehlung der Textbörse zwar diese verlangen, aber nur 250 beauftragen und vergüten.

    Ich glaub, nee, ich glaub nicht, ich weiß, da hat jemand den Urknall nicht gehört oder war mittendrin.

    Von alleine wäre ein Auftraggeber nie auf sone Idee gekommen, hätte allenfalls höflich angefragt, ob sich beim Wortpreis was machen lässt. Dem stimme ich unter verschiedenen Umständen auch zu.

    Kladde: Ich bekomme eine Liste mit Stichpunkten, die nachzurecherchieren und auszuarbeiten sind. Das ist für mich nicht weniger Arbeit, manchmal sogar mehr, als wenn ich einfach das Thema erhalte und gleich selbst recherchiere. Ein vom Auftraggeber „fertiger Text, der nur umgeschrieben werden muss“, kann alles Mögliche bedeuten.

    Damit verabschiede ich mich von diversen Aufträgen ins Wochenende und widme mich lukrativeren Angelegenheiten, sei es „nur“ Seele baumeln lassen und den Racker bespaßen, als mir vorschreiben zu lassen, dass Auftraggeber auf einmal nur noch die Hälfte zahlen sollen – und das ohne mein Wissen/Absprache. Pöh!

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