Ist es möglich, vom Texten zu leben?

Angeregt durch die –> Kommentare von fünfschönedinge und Renate sowie Renates –> Link zum Thema einige Gedanken und Erfahrungen.

Ich kann schon bestätigen, dass es möglich ist, ausschließlich vom Texten an Textbörsen zu leben, so tu ich es tatsächlich. Wenn ich allerdings hier und da mal lese, mit welchen monatlich erschriebenen Beträgen um sich geworfen wird, halte ich das auch für völlig utopisch. Ein vierstelliger Betrag ist aber, eine entsprechende Einstufung und gut bezahlte Direct Orders vorausgesetzt, nicht nur möglich, sondern durchaus locker zu schaffen. Mir kannst du es glauben, Renate 😉

Allerdings muss ich da deutlich zwischen verschiedenen Textbörsen unterscheiden, was auch mit deren Praktiken zusammenhängt. Bei zwei der Plattformen habe ich die höchstmögliche Einstufung (bei anderen bin ich registriert, habe aber noch nie was geschrieben, weil mir das System oder die Aufträge zu … naja). Bei der einen schreibe ich monatlich – bis auf wenige Ausnahmen – mehr als das zusammen, was ich zum Lebensunterhalt brauche. Damit bringe ich mich und den Hund durch, es bleibt sogar noch ab und zu was übrig, um mal Essen zu gehen oder für notwendige (oder einfach nur erfreuliche) Anschaffungen. Bei der anderen kommt, trotz gleicher Qualifikation, allenfalls ein monatliches Taschengeld zusammen.

Es war ein langer und steiniger Weg bis zum Ist-Zustand. Ich habe selbst mit der Einstufung 3 angefangen und weiß sowohl wie die Aufträge in dem Bereich aussehen als auch wie schwer es ist, damit einen brauchbaren Betrag zusammenzutippen und trotzdem eine gewisse Qualität abzuliefern.

In der Zeit habe ich auch schauen müssen, wie ich klarkomme. Hier mal eine Webseite, da mal Schreibarbeiten übernommen, dort mal Pflegehunde – also von Privat, nicht die auch immer wieder vorhanden gewesenen ehrenamtlichen Tierschutz-Pflegefälle.

Seit dem gestern angeprangerten Gebaren und dem kurvigen W-I hat tatsächlich die Auftragslage in den unteren Einstufungsbereichen drastischst abgenommen, was mir für die betroffenen Kollegen wirklich leidtut. Für mich wäre es in der Anfangszeit höchst dramatisch gewesen …

Ich dagegen kann mich vor Aufträgen bisweilen kaum retten und weiß oft nicht, wie das alles im vorgegebenen Zeitraum schaffen. Diesen Monat, es ist grad mal Monatsmitte, weiß ich zum Beispiel jetzt schon, dass ich Ende nächster Woche bereits den Durchschnitt der Vormonate verdoppelt habe – trotz freier Wochenenden. Dafür sitze ich aber ansonsten auch und bin am Tippen, bis das Gehirn pfeifend durch alle vorhandenen Öffnungen qualmt. Die leistungstechnischen Kapazitäten gelangen deutlich an ihre Grenze.

Es sind fast alles Direct Orders, die mich finanzieren, Open Orders nehme ich nur noch an, wenn mich ein Thema besonders interessiert (Hund, Katze, Maus, Fisch, Schlange, Blume, usw.) oder ich wirklich mal eine absehbare Flaute habe.

Die Erwartungen der Auftraggeber sind hoch, Patzer kann ich mir nicht erlauben, aber es lohnt sich. Dafür kann ich, je nach Auftragslage, auch mal nach Belieben ausschlafen, 1, 2, 3, oder sogar 4 Tage ans andere Ende der Insel fahren und abschalten, stundenlange Ausflüge mit dem Racker unternehmen, …

Also – es ist wirklich möglich, vom Texten zu leben und, was mir ja besonders wichtig ist, die Bürokratie, die Akquise, der Vertragskram und der Ärger mit Kunden hält sich mehr als in Grenzen.

Nun kommt Google mit statistischen Kurven daher und alles steht Kopf. Warum? Meine eigenen Seiten waren immer ganz oben in den Ergebnislisten, ohne, dass ich besondere Keyword- oder sonstige SEO-Mechanismen angewandt hätte. Jetzt kriegen alle Panik, weil ein Text von irgendeiner Kurve abweicht, die, erfahrungsgemäß, bei ansprechend rundlichen Formen eines Möbeldesigns gerne auch mal kurvige Blondinen oder Ähnliches semantisch berücksichtigt.

Während eine Börse aber ganz klar sagt, die Kurvenanalyse vorab ist Sache der Auftraggeber, experimentiert die andere auf Kosten der Autoren und Texter damit rum, indem den Auftraggebern merkwürdige Versprechen gemacht werden und dafür auch noch Cash an die Textbörse fließt. Wer findet den Fehler?

Die Auftraggeber werden dadurch verunsichert, statt aufgeklärt, was es mit kurvigen Tools tatsächlich auf sich hat und wie sie anzuwenden sind und nehmen ein derartiges Angebot dankend an. Die Folge: Was bis dahin in den Open Orders gelandet wäre, selbst zu kleinem Geld, wird nun für mehr Geld gekauft, aber auf völlig anderem Weg. Die, die die eigentliche Arbeit damit haben und denen später der schwarze Peter zugeschoben wird, sehen nur Bruchteile von den Centen pro Wort!

Die andere Börse, eigene Erfahrung, verpflichtet den Auftraggeber zur Annahme eines Textes, ohne dass der Autor auf einen Änderungswunsch eingehen muss, der auf einer abweichenden Kurve basiert. Dort verlagert sich die Masse in Richtung Direct Orders.

Vielleicht wäre es für einige „Profis“ an der Zeit, die Strategie zu überdenken. Kämpfen müssen nur die Textbörsen, die sich in eine Einbahnstraße befördert haben. Eine hat ja ihre Schließung bereits angekündigt, ein bis zwei andere sehe ich nicht weit davon entfernt.

Dumm für die Autoren, die auf die falschen Pferde gesetzt haben, gut für jene, die ihre Zeit und Energie – im Nachhinein – profitabel eingesetzt haben. Letzteres macht sich aber nicht (mehr) in der Zahl der Open-, Team-, Group- oder wie sie sonst so heißen -Orders bemerkbar, sondern läuft für die Allgemeinheit unsichtbar im Hintergrund über Direktaufträge ab.

Klar ist, dass nicht jeder das Handwerk gleich gut beherrscht. Das schlägt sich, auch klar, in der Vergütung nieder. Unklar ist und bleibt mir, warum einige Textbörsen selbst den Zug verpasst haben. Hinweise gab und gibt es alleine von Autoren zur Genüge, die werden jedoch geflissentlich übergangen. Dumm für alle Beteiligten, denn irgendwann ist das Ende der Sackgasse erreicht. Unternehmergeist sieht anders aus.

Mir tut es wirklich für alle Betroffenen leid, auch wenn sich mein Vollpfosten-Gedöns sicher anders anhört, da beißt sich die Katze halt in den Schwanz. Ich allerdings würde lieber putzen gehen, Laternen streichen, Problemhunde ausführen, die ihre Besitzer überfordern, was weiß ich, als mich für die gestern beanstandeten Praktiken für Lau herzugeben.

Noch mal relativierend: Ich habe überhaupt kein Problem damit, mal ein hx oder b in diesen oder jenen Klammern in einem Text unterzubringen. Mich kotzt nur das Gebaren an: eine Sache, die selbst nicht wirklich durchschaut wird, ohne angemessenes Entgelt auf die schreibende Bevölkerung abzuwälzen. Wer SEO-Praktiken so wissend propagiert, soll dafür entsprechende Leute einstellen oder so, wie bei einem Korrektorat oder Lektorat, dafür die bezahlen, die einen Text in das gewünschte SEO-Layout bringen, wenn sich die Texter schon mit den Kurven rumschlagen müssen, was eigentlich eindeutig Auftraggebersache wäre. Können die das nicht und kann auch der jeweilige Support nicht weiterhelfen, muss eben doch eine Agentur her, die den Kram dann als Open Orders für billig schreiben lässt – ganz so, wie es auch vorher war.

Da wurden ganz einfach Weichen falsch gestellt. Noch wäre sicher Zeit, die Strecke zu überdenken. Mit den besten Wünschen für alle betroffenen Kolleginnen und Kollegen – vielleicht ermuntert oder ermutigt es etwas, dass das Leben vom Texten nicht nur theoretisch möglich ist. Es gibt nach wie vor Aufträge zur Genüge und die Auftraggeber sind auch bereit, dafür zu bezahlen, nur wählen sie aktuell Parallelstraßen. Vielleicht gibt es ja eine Möglichkeit, die Straßen wieder zusammenzuführen … Haut noch mal und noch mal bei denen auf den Putz, die den Kram grad endgültig zu Vermasseln drohen.

6 Antworten zu “Ist es möglich, vom Texten zu leben?

  1. Hei Nicole .. das hast Du schön formuliert. Ich weiß, dass Du zumindest in einem der beiden Portale, wo ich auch viel niedriger eingestuft tippe, in der 5 bist .. und natürlich hast Du da selbst bei den Open Orders immer irgendwas zu tun, auch wenn Du keine Direct Orders kriegen solltest.
    Mein Mann ist nicht der geborene Texter, er hilft mir nur und braucht manchmal Stunden für einen einzigen Text .. was in unserer Stufe halt bedeutet, das wird nicht viel auf unserem Firmenkonto. Ich bin schneller, dafür fehlt mir dann oft der Witz, den der Jürgen in die Texte, die er fertig kriegt, doch doch ab und zu recht gut rein kriegt.
    Aber vor ca. einem Jahr lief es wesentlich besser als zur Zeit und ich habe mich da einfach wegen der besseren Bezahlung und weil auch meistens genug zu tun war .. und da war ich dort auch noch in der Stufe 3 und wurde erst später eine höher befordert … überwiegend an eins dieser Portale gehalten.
    Ich kenne auch, mich zu überfordern, weil mich dann noch unser besagter Einzelkunde fand. Der hatte damals noch eine Lebensgefährtin und die Bezahlung klappte super … nur kannte ich dann zeitweilig weder Samstag noch Sonntag und nichtmal Weihnachten oder Ostern, weil er ständig eilige Aufträge hatte und es an sich hatte, mich sogar noch um Mitternacht anzurufen. Aber seit er sich von seiner Freundin und Team-Partnerin getrennt hat, klappt da gar nichts mehr. Aufträge schickt er .. nur kann ich die dann oft nicht mehr bearbeiten, weil wir sonst verhungern würden und bin gezwungen, auf die Portale auszuweichen, weil von dort zwar wenig, aber jedenfalls sicher über den Monat auch Geld eingeht.
    Wenn nicht mein Pferdetext-Kunde wäre .. zuweilen hätte es bei uns schon ganz bitter ausgesehen .. nur liegt der halt in einer festen Größenordnung von ca. 25 – 30 Euro pro Woche … davon kann man also auch nicht leben, auch wenn die sicher sind.
    Ich würde sagen, wenn wir nicht zwei Pferde hätten … die uns alleine nur an Stallmiete 280 Euro im Monat kosten, plus Müsli, plus Schmied, plus manchmal Tierarztkosten, plus Versicherung …. usw.. dann wäre vielleicht auch mal der eine oder andere kleine Luxus drin .. wir haben halt mit diesen Tiere ein doch teures Hobby.
    Aber generell war ich vor einem Jahr bei Zahlen von oft ca. 800 Euro im Monat … überwiegend ich, bissel der Jürgen, wir teilen dann aber immer durch zwei, weil das vom Absetzen her besser ist beim Jobcenter … daraufhin sind wir nun auch eingestuft und zahlen außerdem für die Überzahlung von damals noch was ab … aber die kriegen wir momentan nicht mehr ansatzweise zusammen .. eben aus besagten Gründen, die Du schon sehr schön aufgelistet hast.
    Ich vermisse auch so schöne Texte für Blogs, die sich problemlos in einer Viertelstunde tippen ließen und wenn dann dafür 2 – 3 Euro bezahlt wurden, war das durchaus okay .. mit dem Gefummel heute dauert es aber meistens länger .. und dazu kommt, dass man oft gar nicht erst seine Liste voll kriegt und unglaublich viel Zeit damit zubringt, ständig zu schauen .. sind Aufträge da???? Stiehlt Zeit, bringt aber nicht einen Cent ein.

    Die Helpster-Autoren dürften übrgengens auch zusätzlich nun nach Aufträgen suchen .. ich habe mal per Zufall über meine Erfahrungen dort geschrieben und sie diskutieren bei mir .. wie viele das sind, weiß ich nicht, aber die konnten früher auch oft davon leben und dort ist wohl für die meisten so gut wie gar nichts mehr zu verdienen.

    LG
    Renate

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  2. Bin auch bei helpster registriert, da ist mittlerweile fast nichts mehr los. Ich kann Euch nur empfehlen, meldet Euch bei Facebook in verschiedenen Textergruppen an, nutzt Xing und Co. Da krieg ich mittlerweile die meisten Aufträge her. Und meine Auftraggeberzzahlen bislang alle pünktlich, toi toi toi.

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  3. dto .. Susann .. habe ich ja eben im anderen Beitrag schon gesagt, dass ich mal danke für den Tipp sage, falls es noch härter kommen sollte. .. Heute z. B. sind zwar über 1000 30-Cent-Aufträge für uns da, die sich anders als die neulich auch gut schreiben lassen .. ich habe also fröhlich angefangen und dachte, Kleinvieh macht ja auch Mist .. aber nach 3 Stück war Schluss .. Neukunde .. das wird der einzige Grund sein, warum immer noch recht viele davon da sind … er muss die fertigen ja erstmal abnehmen. .. Dafür hat sich endlich unser Extra-Stammkunde gemeldet, dass er mal wieder bissel Geld überwiesen hat . und klar mehr zu tun .. jammern hat geholfen. LG Renate

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