Wie lebt es sich ohne Strom?

Ich muss wohl keinem erzählen, dass es nicht gerade komfortabel ist, wenn auf einmal das Licht ausgeht und vor allem: ausbleibt. Das Ganze nicht mal selbst verschuldet und vor allem: völlig unvorbereitet. Irgendwas ist zwischen Vermieter und Anbieter quer gelaufen. Es betriff also das gesamte Haus.

Es begab sich am Morgen des 11. März, als mein Laptop plötzlich nur noch auf Akku lief. Ein verwunderter Blick aus dem Fenster bestätigte, dass es kaum ein wetterbedingtes kurzes Stromflimmern sein konnte, wie manchmal auf der Insel der Fall. Schon waren aus dem Treppenhaus laute Stimmen zu hören, zu denen ich mich gleich stumm dazu gesellte. Befürchtung bestätigt: Strom abgeklemmt.

Leichte bis mittlere steigerungsfähige Fassungslosigkeit machte sich breit, als auch schon der Vater des Vermieters reinstürmte und nachdrücklich zum sofortigen wieder Anklemmen aufforderte. Der Herr Abklemmer sagte, das darf er nicht, Geld darf er auch nicht annehmen. Er wisse auch nicht, wie hoch der ausstehende Betrag sei, wohin der überwiesen werden müsse und unter welcher Telefonnummer jemand mit mehr Ahnung und Befugnissen erreichbar wäre. Der Vermieter selbst war an diesem Tag auf dem Festland, also brach sein Bruder in dessen Wohnung ein, um die Unterlagen mit den Informationen zu holen. Väterchen überwies nach einem Telefonat umgehend die vermeintlich ausstehende Summe nebst Sperrgebühren, faxte alles rüber und forderte erneut zum sofortigen wieder Anklemmen auf.

Vergebens. Der zuständige Mitarbeiter war zwar noch den ganzen Tag auf der Insel und hätte nur einen telefonischen Auftrag erhalten müssen, das tat man seitens der Zentrale aus unerfindlichen Gründen aber nicht. Dummerweise ist der Mitarbeiter immer nur dienstags auf der Insel, so dass klar war: Wir sitzen hier eine ganze Woche ohne Strom.

Die Freude war groß. Eine heimelige heimische Woche bei Kerzenschein hätte ich mir ja noch gegönnt – wie aber ohne Strom arbeiten? Der Handy-Akku hatte auch nur noch einen Balken. Was tun? Erst mal bei einer zuvorkommenden Textbörse um Verlängerung sämtlicher Aufträge gebeten, dann mit Hund, Handy und Laptop zu einem Bekannten geflüchtet. Immerhin …

Nachmittags war der Vermieter wieder da und konnte noch nicht klären, wieso der Strom abgeschaltet wurde. Er hoffe am nächsten Tag auf Klärung und irgendwie wieder anklemmen. Nein, da sind die, obwohl offensichtlich auch er die Sache nicht verbockt hat, stur.

Hat er also ein Kabel in einen Anschluss im Hof mit Verteiler hingelegt, alle Mieter haben sich ein langes Außenkabel besorgt oder von ihm bekommen. Jetzt ist das Haus durch die Fenster verkabelt. Sieht echt lustig aus. Noch mal: immerhin …

Da sich ja nun mehrere Wohnungen an einem Anschluss bedienen, kann natürlich nur jeweils das Nötigste angeschlossen werden. Eigentlich. Bei mir sind das – klar – der Laptop und eine Stehlampe, zwischendurch bei Bedarf dann mal die Kaffeemaschine oder ein Ladegerät. Ähnlich verhält es sich bei Nachbarn. Nur einer meinte, gleich seine gesamte Wohnung mithilfe von Kabeltrommeln, Verteilersteckdosen und noch mehr Verteilersteckdosen verstromen zu müssen. Selbst Geräte, die zurzeit ohnehin überflüssig sind wie Fernseher und Receiver, da die Antenne an den Stromanschluss gekoppelt ist – ergo: kein Programm. Außerdem ganze zwei Kühlschränke. In Planung war dann noch, eine Herdplatte dazuzustöpseln, weil ja sonst eine ganze Woche kein Kochen möglich ist. Mal gut, dass noch niemand auf die Idee kam, in der Küche oder romantisch im Wohnzimmer über nem Lagerfeuer zu grillen.

Naja, vielen Dank auch. Kühlschrank und Mikrowellenkombi sind bei mir die Tage auch aus, Mann kann halt bei so einer Notversorgung nicht alles haben. Prompt, lustigerweise waren alle anderen aus dem Haus gerade beim Vermieter, hat’s geknallt, das gesamte Haus wieder im Dunklen. Was besagter Bewohner gemacht hat, um alleine die Überlastung auszulösen, weiß nur er selbst.

Glücklicherweise gibt es noch einen weiteren Anschluss im Hof, also Kabel umgestöpselt, kurz drauf waren wieder alle notdürftig versorgt. Leckeres Essen hatte ich übrigens im Restaurant des Vermieters an diesem Abend freundlicherweise umsonst bekommen. Sind halt trotz geplantem Hausverkauf und Kündigungen keine Unmenschen.

Bleibt zu hoffen, dass wenigstens Laptop, Stehlampe und morgens die Kaffeemaschine noch weiterhin und vor allem ohne erneute „Mehralsgehtgehthaltnichtnutzung“ über das Kabelgewirr von draußen gespeist werden, bis wir aus der halben Steinzeit in die Moderne zurückkehren. Weil: So ganz ohne Strom lebt es sich echt Sch… skandalös.

5 Antworten zu “Wie lebt es sich ohne Strom?

  1. Hallo Nicole,

    die Story muss gleich mal in unseren Blog verlinken. Die toppt noch den Stromausfall, den wir im vorigen Sommer mit den Stadtwerken Kiel erlebt haben, und die war schon krass.

    Bei uns lief das so:
    Plötzlich auch ein Zischen und alles tot. Jürgen und ich dachten zuerst, es wäre bei uns in der Wohnung ne Sicherung raus geflogen, aber nein. Dann stellten wir fest, das ganze Haus hat keinen Strom und ich machte mich auf den Weg, jemand mit Handy im Haus zu suchen, um den Hausmeister anzurufen, denn wir hatten bemerkt, bei unserem Handy war der Akku nicht aufgeladen. Im Haus fand ich keinen, denn bei jedem war entweder wie bei uns der Akku leer oder aber das Guthaben alle.

    Also rüber zu meiner Freundin im Nachbarhaus, die mir aber gerade entgegen kam, denn sie hatte die gleiche Idee, bei mir den Hausmeister anzurufen, was da los wäre.

    Noch auf dem Weg trafen wir eine junge Frau, die uns erzählte, einige Straßen weiter sei auch kein Strom, das müsse ein größerer Schaden sein, also Hausmeister anrufen sinnlos.

    Jürgen und ich beschlossen, uns den Hund zu schnappen und einen längeren Spaziergang zu machen. Unterwegs sahen wir, es ging keine Registrierkasse, die Tankstellen funktionierten auch nicht, also nichts mit tanken, auch nicht in etlichen Kilometern Entfernung, denn von einigen Leuten, die noch ein funktionierendes Handy hatten, erfuhren wir, dass große Teile von Kiel und zig Orte drumherum bis hin nach Plön betroffen waren. Bargeld holen ging auch nicht, denn es funktionierte kein Bankautomat. Eine junge Frau kam mit dem Fahrrad und wollte von Schwentinental aus nach Plön zu einer Freundin, die noch Geld und die Möglichkeit zum Einkaufen hatte.

    Eines war erstaunlich .. die Straßen waren voll Menschen und man hat sich mit sonstwem unterhalten, was sonst ja nie passiert .. die verbale Kommunikation war enorm an dem Tag.

    Zu Hause angekommen, machten wir Kerzenlicht an und ich zauberte uns was Kaltes zu Essen aus den Zutaten, die ich eigentlich zum Kochen hätte nehmen wollen …. nun ja. Du erlebst das gerade längerfristig, wir nur an diesem Abend.

    Dann plötzlich ging das Licht wieder an, Jürgens PC auch und mein Laptop nur kurz, dann peng, kapputt.

    Das Netzteil brauchte über eine Woche, bis ich es geliefert bekam und Jürgen meinen PC reparieren konnte. Ich beschwerte mich bei den Stadtwerken, denn so konnte ich meine Stromrechnung nicht rechtzeitig bezahlen. Zuerst wurde sie auch gestundet. Ich beantragte Schadensersatz, es dauerte Monate, bis die Firma, die das für die Stadtwerke Kiel erledigt, das überhaupt bearbeitete.

    Es war in einem Verteilerhäuschen zu einem Brand gekommen und dann beim Wiederanmachen zu dieser extremen Stromschwankung .. aber angeblich ja kein Verschulden der Stadtwerke, also auch kein Schadensersatz.

    Im Monat drauf bezahlte ich deshalb die Stromrechnung wieder zu spät und kriegte dann gleich eine Androhung, uns den Strom abzustellen .. also Beschwerde, denn es war ja wirklich nicht meine Schuld gewesen, dass ich über eine Woche nicht hätte arbeiten können. Stundung bis zum Jahresende jeweils um einen Monat, immerhin .. aber Kulanz kann ich das nicht nennen. Sie hätten mir meinen Schaden in meinen Augen ersetzen müssen.

    Beim googeln fand ich, dass diese Firma für alle Stadtwerke bundesweit so handelt, grundsätzlich. Man findet viele Berichte über derartige Stromausfälle und beträchtliche Schäden an Geräten und nie eine Bezahlung, weil sie sich immer rausreden. Das passiert mal hier, mal dort.

    Wie krass das war, zeigte mir meine Aldi-Rechnung von dem Tag, die ich noch kurz vor dem Stromausfall an der Kasse per EC-Karte bezahlt hatte. Die wurde wochenlang nicht von meinem Konto abgebucht, bis ich dann Bescheid gesagt habe, dass sie immer noch auf vorgemerkt steht. Dieser Stromausfall hat nämlich sogar sowas wie deren Bezahl-System komplett aus dem Häuschen gebracht.

    Unser Fahrstuhl fuhr übrigens an dem Tag auch stundenlang immer auf und ab, bis irgendwer das dann repariert hat.

    Das war mal in kurz meine Stromstory .. und ansonsten seid tapfer und haltet durch.

    LG
    Renate

    Gefällt mir

    • Als Christian getobt hat war auch lustig – über Stunden war der Strom mehr weg als kurzfristig mal wieder da, Geschäfte haben alle dicht gemacht weil keine Kasse mehr funktioniert hat, später sind dann nahezu alleTelefonanschlüsse und das komplette Internet ausgefallen. Strom war am nächsten Tag wieder stabil, Telefone gingen je nach Anschluss noch mal später wieder, jegliches Internet und das mobile Netz war ganze 48 Stunden weg. Während des Sturms gab es zig Feuerwehr-, Polizei- und Rettungsdiensteinsätze, die ohne Telefon und Strom kaum koordiniert werden konnten. Glaube irgendeine Funkfrequenz, die natürlich dann völlig überlastet war, ging noch. Weia, da war was los …

      Nu hoff ich ma, dass der Herr Ab- und Anklemmer morgen einen Termin für uns frei hat und sich nicht alles noch mal um ne Woche verschiebt …

      Gefällt mir

  2. Ich drück die Daumen, noch ne Woche wäre ja eine Zumutung! Dann war Christian bei Euch aber doch noch schlimmer als hier und sogar der Stromausfall noch schlimmer als das mit unserem Verteilerhäuschen .. ich fand schon diese paar Stunden .. war nur nachmittags bis abends irgendwann … echt hart .. hier gingen auch nur manche Handys, weil in Kiel auch die Anschluss-Stellen für Handynetze betroffen waren .. aber nicht alle, so erfuhren wir überhaupt, was los war, weil einige Leute noch über Handy in die Nachbarorte kamen, um sich auszutauschen.

    Also toi toi toi für morgen.

    LG
    Renate

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s