Des Rackers neueste Streiche 4: Die Sache mit dem Rudel und den Regeln

Joker

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Gestern in einem Gespräch:

„Mein Mann sagt, unsere Hündin ist zu dick.“

„Naja, bisschen mollig ist sie schon, aber das kriegt ihr ja leicht hin mit bisschen Futter reduzieren.“

„Sie kriegt ja gar nicht so viel. Na gut, ist halt ein Schlemmermaul. Wenn wir mit ner Tüte Chips vorm Fernseher sitzen, kommt sie und schaut uns an. Reagieren wir nicht, stupst sie mit der Pfote. Dann bekommt sie halt 3-4 Hundekekse. Das ist ja nicht viel.“

„*grins* – Das wär bei mir nicht drin, so schon mal gar nicht. Aber sei’s drum, dann zieh ihr das doch einfach vom Futter ab, was sie zwischendurch bekommt.“

„Sie ist ja aber nicht dick, nur etwas rundlich. Frisst halt gerne. Sie läuft mir auch immer nach in die Küche, ins Bad, egal wohin, weil sie denkt es gibt was.“

„Sie bleibt auch nicht allein zu Hause, oder?“

„Nein. Ich weiß gar nicht warum. Sie weiß ja, dass wir wieder kommen.“

„Also, alle meine Hunde samt Pflegehunden blieben bisher anstandslos alleine zu Hause. Kein Gebell, keine Zerstörungsanfälle, absolute Entspannung. Ich lass sie aber auch nicht überall hinterher laufen. Geh ich aus dem Zimmer, geh ich – egal wohin. Da muss mir keiner am Bein kleben. Mit Verfressenheit hat das übrigens nichts zu tun, wenn sie dir auf Schritt und Tritt folgt. Stell klare Regeln auf, an die sie sich halten muss, dann gibt’s auch kein Gebettel mehr oder Gezeter, wenn sie mal alleine bleiben soll.“

„Aber sie tut ja nichts. Bist du wirklich so streng in der Erziehung?“

„Nö, ich lass mir nur nicht auf der Nase rumtanzen 😉 Mit Erziehung hat das kaum was zu tun, nur mit klaren Regeln von Anfang an und Konsequenz. Wir leben halt in einem Rudel, egal wie viele Hunde und ich, das klappt nur ohne Stress, wenn die Rangordnung und das Verhalten für jeden klar ist.“

„Aber du hast ja auch einen Rüden und Jacko war auch einer, da muss man sowieso strenger sein in der Erziehung.“

„Ich war noch mit keinem Hund streng, schon gar nicht mit Jacko, außer im Ernstfall mal besonders bestimmt, dann wissen sie aber auch sofort, bis hierhin und keinen Schritt weiter. Ist doch aber zu deren eigener Sicherheit, ob nun ein Auto oder Fahrrad vorbeirast und gegenüber ein Kaninchen sitzt oder sonst was. Weißt du noch, wie du deiner Hündin eine Leine hinterhergeschmissen hast vor hilfloser Wut, weil sie nicht gehört hat?“

„Ja, da war sie noch jung und hat überhaupt nicht gehört.“

„Hat sie mit dieser ~strengen~ Maßnahme besser gehört?“

„Nein, die hat einfach gar nicht reagiert.“

„Na siehste.“

Immer wieder erstaunlich. Es gibt so viele ungeschriebene Gesetze, an die sich Menschen halten. In jedem Miteinander hat jeder Beteiligte eine Meinung und seine eigene Einstellung, wie es zu funktionieren hat. Manchmal hat ein Chef das Sagen, manchmal setzt sich unter Freunden oder in der Familie jemand durch, jede Konstellation hat ihre Regeln.

Dabei sind Menschen nicht mal so rudelig veranlagt wie Hunde, die entweder souveräne Führung brauchen oder sie zwangsläufig selbst übernehmen, weil naturgemäß ist das eben so, dass jemand das Sagen haben muss und für Sicherheit sorgt. Funktioniert ein Zahnrad im Uhrwerk nicht, tickt die ganze Uhr nicht mehr oder geht eben nach, so einfach ist das.

Ich bleibe an der Straße stehen, weil ich weiß, dass das Auto da vorne stärker ist als ich. Mein Hund bleibt stehen, weil er weiß und vertraut, dass ich weiß … Stellt sich heraus, dass ich einmal versage, beispielsweise wie meinem Racker als Welpen geschehen: Er wird von einem vorbeifahrenden Fahrrad geschubst, versucht also künftig selbst zu entscheiden, wie er die Situation meistert. Dolles Ding, das wieder in den Griff zu kriegen. Ich muss mich konstant und dauerhaft neu beweisen in ähnlichen Situationen, um meine souveräne Position wieder zu etablieren. Ausnahmen gibt es nicht.

Erziehung? Nö, Natur pur, leider von vielen Menschen verlernt.

Oja, der Racker weiß sich schon zu benehmen und: Er heckt so allerhand aus. Darf er auch, Spaß muss schließlich sein. Aber all die kleinen Dinge im Zusammenleben, die funktionieren. Darauf kommt es schließlich an, oder? Naja, und wenn er dann draußen vorm Geschäft mal aus dem Geschirr schlupft (ich habe keine Ahnung, wie er das hinkriegt), dann auch nur, um stolz auf mich zu warten, nur etwas näher dran, halt an der Scheibe, so dass er direkt ins Geschäft schauen kann – nicht so weit weg und an der Leine gefangen. Sobald ich rauskomme, krieg ich geschimpft, weil sein Geschirr samt Leine an der Laterne liegen geblieben ist …

Tja, so ist das mit der viel gerühmten Erziehung 😉

4 Antworten zu “Des Rackers neueste Streiche 4: Die Sache mit dem Rudel und den Regeln

  1. Stimmt … alles das muss sein, wo es gefährlich werden könnte. Ich war nie autoritär, nicht zu meinen Kindern und nicht zu meinen Haustieren … aber seltsamerweise ist noch nie einer meiner Hunde auf die Idee gekommen zu wildern, vor ein Auto zu rennen oder hat planlos einen anderen Hund angegriffen .. und obwohl ich wirklich nicht reiten kann .. falle im Galopp grundsätzlich nach nur wenigen Metern runter .. konnte ich mit meiner Dicken ausreiten und sie blieb an jeder Straße brav stehen, wenn ein Auto kam und ging erst dann los, wenn frei war. … Ich vermute, sie hören an meinem Tonfall, wenn ich etwas wichtig finde, was sie tun sollen und dann tun sie es eben. Ich vermute, so in der Art meinst Du Deinen Text auch. LG Renate

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