Tote Hunde 2 – der Anfang vom Ende

011aEs geschah im September 2012, als Jacko kurz nach unserem spät abendlichen Fahrradausflug auf einmal unkoordiniert mit dem Kopf wackelte und Schleim über Schleim erbrach, bis er kraftlos auf dem Boden lag. Das ging recht schnell.

Ab ins Taxi, Tierarzt. Dort wurde er erst mal stabilisiert, es wurde Blut entnommen und vorsichtshalber ein Kontrastmittel gegeben. Zunächst stand er wieder aufrecht auf vier Beinen und es ging im Taxi nach Hause. Knapp eine halbe Stunde später lag er wieder zuckend auf dem Boden und atmete pfeifend. Also Taxi und Tierarzt, dort blieb er dann über Nacht. Ich habe kein Auge zugetan und die Fledermaus war völlig verunsichert.

Morgens um 9:00 Uhr kam der ersehnte Anruf, ich kann meinen Pascha abholen. Blutuntersuchung war inzwischen abgeschlossen, Organwerte ok. Jacko stand da, als wäre nie was gewesen. Klar war aber, er hatte irgendetwas Ätzendes aufgenommen. Da er, wie in Teil 1 erwähnt, nicht so der Futtersammler war, kann es eigentlich nur eine Brühe aus Fleisch und Chemikalien gewesen sein – Letztere waren deutlich zu riechen. Es kann auch nur auf einem kleinen Abschnitt unterwegs passiert sein, dort sind viele Cafés und Restaurants, möglicherweise hat jemand Abfälle aus der Küche nicht richtig entsorgt.

Die Fledermaus hatte ich vorübergehend anderweitig untergebracht, gegen Mittag habe ich sie wieder geholt, der Pascha sollte erst mal wieder ankommen und in Ruhe seine Stabilität unter Beweis stellen. Er war stabil, zweifelsfrei. In den folgenden zwei Wochen bekam er strenge Diät – Huhn, Reis, Quark – die Magenschleimhaut war klar angegriffen und Spätfolgen sollten natürlich nach Möglichkeit vermieden werden. Er ist wieder gerannt wie ein junges Fohlen mit seinen 11 Jahren. Seiner Konstitution war es überhaupt zu verdanken, dass er die Sache überlebt hat, es stand in besagter Nacht nicht nur auf der Kippe, sondern war wirklich krass vor dem Ende. Ein kleines großes Wunder also.

Nach knapp einer Woche ohne weitere Symptome ging es aber los – er hat blutigen Schleim erbrochen. Sonst war er weitgehend fit, aber die Schleimhäute waren halt doch arg angegriffen. Dieser Vorfall blieb dank weiterhin strikter Diät, viel Ruhe und tierärztlicher Behandlung glücklicherweise einmalig. Wenige Tage später hatte er allerdings arge Koordinationsstörungen. Er torkelte plötzlich unkoordiniert herum, jammerte in leichter Panik und fiel schließlich um, jeder Versuch aufzustehen endete in erneutem Umfallen.

Wieder verbrachte er eine Nacht beim Tierarzt am Tropf, erneut durfte ich ihn morgens abholen – einen munteren Hund, der natürlich kerngesund ist (meinte er, mir beweisen zu müssen).

Eine weitere Blutuntersuchung ergab, es liegen nach wie vor keine Organschäden vor. Seine Ausfallerscheinungen waren klar auf geschädigtes Nervensystem zurückzuführen. Nerven regenerieren sich bekanntlich, wenn überhaupt, nur langsam. Nun ging das Zittern richtig los …

Einige Tage später hatte er erneut Ausfallerscheinungen und wir sind zu einem anderen Tierarzt, unsere war im Urlaub. Er diagnostizierte Schlaganfall – also eigentlich Vestibularsyndrom. Ich war aber der festen Überzeugung, das hängt mit der Vergiftung zusammen. Unsere Tierärztin in der Folgewoche auch. Ich besorgte unterstützend zu allen anderen Medikamenten noch Vitamin B, in der Hoffnung, das Nervensystem damit zu unterstützen.

Diesmal hat es zwei Wochen gedauert, bis zum nächsten Mal Ausfallerscheinungen. Da er in der Zwischenzeit wiederum fit wie ein junges Fohlen war, rein gar nichts war ihm anzumerken, habe ich das Gespräch über eventuelle Konsequenzen noch mal beiseite geschoben. Hoffnung: Vielleicht ist das der letzte Anfall. Wieder konnte ich morgens einen munteren, scheinbar gesunden Hund beim Tierarzt abholen.

Die Hoffnung schien sich erst mal zu bestätigen, erst einige Wochen später ging es wieder los, dafür aber extrem. Er ist umgefallen und es ging rein gar nichts mehr, Augen verdreht, alles zuckt, diesmal wurde er von der Tierärztin abgeholt. Später hatten wir noch mal telefoniert, er war wiederum stabil, und ich sprach das Thema an: Noch einmal, dann ist es vorbei, damit tu ich ihm keinen Gefallen, das hat er nicht verdient. Wir haben die Wenns und Abers, Fürs und Widers durchgesprochen und waren derselben Ansicht. Am nächsten Morgen durfte ich … ja, er war wieder fit.

Etwa eine Woche später kippte er, nach einem ganz normalen Tag, einer ganz normalen Woche, er hatte inzwischen wieder zugenommen und war lebensfroh wie eh und je mit seiner charakteristischen Podenco-Husky-Power, dasselbe Spiel erneut. Es war Wochenende, sie hatte keinen Dienst, erneut Vertretung angerufen. Er kam auch sofort, diesmal diagnostizierte er Epilepsie.

Die übliche Behandlung, diesmal blieb er aber in diesem Ausfall-Zustand. Ich wusste, jetzt ist es so weit … rief ihn erneut an und ohne weiteres Bla kam er erneut, Spritze, vorbei war es mit meinem langjährigen treuen Begleiter.

Der grauenvollste Moment meines Lebens. Noch immer fühle ich mich ohne ihn wie amputiert. Seelenamputiert. Seit er weg ist, bin ich selbst nur noch halb da, so zumindest das Gefühl. Er wäre locker 16 geworden, ich glaube, die Umstände waren das Schlimmste an seinem auf einmal nicht mehr da sein.

Ich hatte viele Tiere, darunter einige Hunde, zu keinem hatte ich jemals so eine Bindung wie zu ihm und umgekehrt.

Die Wut ist unbeschreiblich – wer stellt da so einen Scheiß achtlos irgendwohin? Es hätte auch ein Kind drangehen können. Es besteht inzwischen die Vermutung, dass es Absicht war und gezielt etwas beigemischt wurde, wobei Lockstoffe das Eigentliche überwogen haben (müssen!). Nicht gezielt auf meinen Hund, aber ihn hat es halt (auch) getroffen. Mir hat es ein Stück Leben genommen, das durch nichts zu ersetzen ist.

Die Fledermaus und ich haben gekämpft, alleine klarzukommen, noch war nicht abzusehen, dass auch sie bald weg sein würde, auf tragischste Weise.

Heute sind da nur noch der Racker und ich, er ist eine eindeutige Bereicherung und ich bereue keine Sekunde mit ihm, ein weiterer Traumhund in meinem Leben. Aber Jacko, der Pascha, das war einzigartig und ich bin froh, dass ich nicht weiß, wer hinter dieser Aktion steckt, sonst wäre ich schon längst auch noch ohne meinen Racker und hinter Gittern.

Es war übrigens Weihnachten 2012, als Jacko eingeschläfert wurde. Drei Monate hatte er noch nach dem Scheiß, drei tolle Monate bis auf die An-/Ausfälle zwischendurch, immerhin waren es nicht so viele.

Ein Teil von ihm ist hier geblieben, obwohl ich mich seitdem amputiert fühle. Er lebt in mir und an jedem Ort, an dem wir gemeinsam waren, weiter, auch Joker der kleine große Racker hat irgendwie was von ihm in sich, obwohl die beiden sich nie begegnet sind.

Wie gut, dass ich damals nicht wusste, dass auch die Fledermaus nur noch drei Monate da sein würde, sonst hätte ich dieses kleine schwarze Bündel Hund, das keiner haben wollte und jetzt mein Leben teilt und umgekehrt, wohl niemals aufgenommen … (… und Schreibfehler & Co dürft ihr behalten).

 

Fortsetzung mit Ergänzungen folgt.

3 Antworten zu “Tote Hunde 2 – der Anfang vom Ende

  1. Ich hatte wie Du in meinem langen Leben nicht nur einen Hund, sondern viele … einer stand mir auch besonders nah, das war Monti, der mich im Tierheim in den Arm biss und dem ich sagte, tu das nicht nochmal und ich behalte Dich … er wurde nur 8 Jahre alt, weil bei ihm das Cushing Syndrom falsch behandelt wurde … warum mir dieser eine Hund noch näher stand als alle anderen .. und sie standen mir alle nah und Boomer tut es jetzt auch .. keine Ahnung, manchmal ist das eben so. …. Deine Geschichte ist sehr traurig .. aber so ist das Leben … manchmal hört etwas sehr Schönes jäh und ganz schrecklich auf und man muss irgendwie trotzdem weiterleben. Ich drück Dich ganz doll. Renate

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  2. In meinem Blog gibt es auch .. neben den vielen übrigen Kram und den Sachen über Pferde .. auch öfter sehr drollige Geschichten über unseren neuen Hund … Unser Hund und das Paralleluniversum bei Aldi zum Beispiel … muss schon weiter zurückliegen, aber vielleicht findet man es mit Google in Anführungszeichen unter dieser Überschrift wieder … ich hab mich schlapp gelacht damals und viele, die es gelesen haben, ebenfalls. Man hat oft viel Freude an den Tieren, manchmal mehr als an den Menschen, mit denen man es zu tun hat. LG Renate

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