Faules Fleisch ist ungesund bei Mumps

jackoEines Tages, wir kamen gerade von einem langen, hochsommerlichen Spaziergang zurück, vernebelte mir ein unendlicher Gestank im Treppenhaus fast die Sinne. Der Grund des Übels fand sich an meiner Türklinke: eine Tüte mit faulem Fleisch. Schon gelb und so elend stinkend, dass ich die Luft anhalten musste, um nicht mein gutes, mittags genossenes Fleisch dazu zu spucken, selbst Jacko sich angewidert, schüttelnd und niesend abgewandt hat.

Erst mal nichts wie rein in die Wohnung, ans offene Fenster, wieder Farbe ins Gesicht bekommen. Anschließend die Tüte einer näheren Inspektion unterzogen, Luft anhaltend, versteht sich. Hing ein Zettel dran, Handschrift eines Nachbarn: „Für Jako“. Zettel mitgenommen, auf die Rückseite ein freundliches Danke geschrieben und ebenso dankend abgelehnt, mit der Begründung, mein Hund darf nur sein Diät-Futter fressen, wegen Schilddrüsenunterfunktion. Tüte im ohnehin stinkenden Treppenhaus beim Schenker unten an die Tür gehängt.

Das ist so: Ich wollte mir eventuelle künftige weitere stinkende Überfälle ersparen, daher nicht einfach entsorgt, und Erklärungen wären ohnehin zwecklos gewesen, die beiden Herren der unteren Etage waren, gelinde gesagt, leicht merkbefreit. Die tatsächliche Schilddrüsenunterfunktion kam mir als gelegene Ausrede, das Geschenk abzulehnen.

Wo das faulende Aas ursprünglich herkam, weiß ich nicht. Was ich aber weiß: Spät abends war der Tierarzt da. Die Hunde beider Herren hatten einen vor Fäulnis aufgegasten Magen, verklumpte Knochen intus und natürlich Durchfall und Erbrechen, soweit durch die Knochenklumpen noch was durchkam.

Nun war ja Hochsommer, Fenster daher offen, beide Hunde wurden auf der Straße behandelt (warum nicht drin, weiß ich auch nicht). Höre ich also den Tierarzt fragen: „Haben das etwa alle Hunde hier im Haus gefressen?“

„Nee, der von der oben nicht, der hat nämlich Mumps!“

Sonst bin ich ja nicht so der Gaffer, das hat aber doch meine Neugier erregt und ich sah aus dem Fenster. Ich durfte beobachten, wie beiden Hunden ein Einlauf verpasst wurde, oral wurde Paraffin eingeflößt, dazu gab es noch irgendeine Spritze für jeden. Innerhalb 24 Stunden sollte das Zeug, egal aus welchem Loch, raus sein, erklärte der Tierarzt. Sollte sich der Zustand zwischendurch verschlimmern, akute Lebensgefahr, bitte sofort wieder anrufen!

Leicht fassungslos plumpste mein Po zurück aufs Sofa, ich sah Jacko an und war noch nie so froh, dass er Mumps hat und deshalb kein überfaules Fleisch verträgt. Prompt fiel mir ein, dass er noch seine Schilddrüsenhormone brauchte.

Mein schlechtes Gewissen wischte ich mit dem Argument weg, dass ich schon zu oft erfolglos versucht hatte, den Herren zu erklären, was auf gar keinen Fall geht und warum. Immerhin, beide Hunde haben überlebt und mein Mumps-Kranker blieb künftig vor weiteren Stinkereien verschont (die anderen beiden leider, samt Begleiterscheinungen, nicht). Wenngleich er letztendlich, viele Jahre später, tatsächlich an den grausamen Folgen einer grausamen Vergiftung starb – dieser Kelch ging, Mumps sei dank, an ihm vorüber.

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